Gestern war ich seit langem mal wieder im Kino. Ich bin ja eigentlich kein Kino-Gänger, ich habe auch keinen Fernseher.
Freunde hatten einen Berg Karten besorgt, und so bin ich wegen des Gemeinschaftserlebnisses Kino mitgekommen – nicht wegen dem Film, denn es lief Miami Vice.
Und was dann kam war grottenschlecht! Ok, Hollywood: stumpfe Dialoge, Rumgeballer, Drogen, schnelle Autos und Helden, die alles jederzeit im Griff haben. Soweit war es nicht anders zu erwarten und darauf hatte ich mich auch eingestellt. Aber wenn man in einen Film mit so einer geringen Erwartungshaltung rein geht und dann noch enttäuscht wird, das ist heftig! Je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass es der schlechteste Film ist, den ich je gesehen habe. Selbst xXx war besser…
First of all: Der Film steigt direkt ins Geschehen ein – irgendeine Undercover-Aktion, 2 Informantinnen werden irgendwo eingeschleust, die Szene spielt in einer Disco. Die Tanzmusik wechselt mit jedem Song die Stilrichtung, spätestens nach dem 3. Wechsel wäre die Tanzfläche leer gewesen, sowas macht kein Publikum mit – aber egal. Irgendetwas läuft bei der Aktion nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hatte, aber das ist egal. Die Aktion sollte ja nur die Protagonisten bei ihrer Arbeit zeigen – schönes Stilmittel zum Einstieg in einen Film, danach könnte der Vorspann kommen. Den gab es aber nicht. Noch während die Aktion läuft, ruft jemand einen der Helden an und faselt etwas von “Schief laufen” und “Verraten”. Die Vorspann-Aktion wird ohne Folgen abgeblasen und der Anruf läutet den Hauptplot des Films ein.
Man arbeitet also darauf hin, heraus zu bekommen, wer der Verräter ist, wer Polizei- (oder FBI-) Infos an die Drogendealer weitergibt. Leider wird das auch bis zum Ende des Films nicht aufgeklärt – Thema verfehlt, 6, setzen! Die Helden schleusen sich ohne Probleme bei den Drogenhändlern ein, die Nummer ist natürlich viel größer als gedacht und der SuperSuperSuperBoss hat Ähnlichkeit mit dem Klischeebild eines arabischen Terroristen – soll aber Südamerikaner sein, wenn ich das richtig mitbekommen habe.
Der eine Protagonist vögelt dann die Geliebte des SuperSuperSuperBosses (15 Minuten Vögeln und Verliebtsein in der Mitte des Films, so kann man auch Minuten füllen) und am Ende geht es nur noch um den Tausch Drogen gegen die Geliebte. Der Zwischenhändler wird erschossen, der Oberschurke ist untergetaucht, die Geliebte nicht der Polizei übergeben sondern außer Landes gebracht – Ende des Films!
Der Film bekommt von mir einen Oscar für das tollste Schlussbild im Film: Einer der Protagonisten geht in ein Krankenhaus, wo eine Kollegin aus dem Koma erwacht. Die Kamera bleibt draußen, Ende. Kein “In-den-Sonnenuntergang-reiten”, keine schnellen Autos oder Speedboote, nichts. Die Szene ist noch nicht mal besonders ausgeleuchtet. Der Film hört genauso beschissen auf, wie er angefangen hat.
Wer jetzt denkt, dass die Story nebensächlich ist und es bei solchen Filmen nur auf die Action ankommt: Richtig! Wenn es denn Action geben würde. Nicht eine Verfolgungsjagd, weder mit Autos, noch mit Speedbooten (die im Trailer immer so toll gezeigt werden). Es gibt eine Schießerei am Ende, nicht wirklich spektakulär – das wars! Dazwischen eine Explosion eines Wohnwagens und ein paar tote Bösewichte, die allerdings mit tollen Sprüchen gekillt werden. Ansonsten lediglich ein paar Fausthiebe. Das soll Action sein???
Die Kameraführung ist gewöhnungsbedürftig. Etwas experimentell, verwackelt und unscharf, oft sollte wohl aus der ersten Person vermittelt werden. Das ging meiner Meinung nach viel zu oft daneben. Neue Maßstäbe wurden damit nicht gesetzt.
Und dann der grottenhafte Ton. So schlecht abgemischt, das gibt es nicht. Mal zu laut, dann wieder viel zu leise. Mitten in Szenen hört die Musik auf und wird durch völlig andere ersetzt. Als ob jemand eine Mix-CD mitlaufen lässt. Das einzig Positive waren die etwas realistischeren Baller-Geräusche. Der Rest war kacke, um es auf den Punkt zu bringen!
Teil 2 ist vorprogrammiert, denn der Oberböse lebt noch und die Geliebte des Oberbösen hat den Helden noch nicht geheiratet. Oh Gott, bitte nicht!
Wenn euch also jemand fragt, ob ihr den Film sehen wollt, rennt schreiend weg!