Ich vermisse meine Freunde, meine vertraute Umgebung, mein “altes” Leben. Es gibt Tage, da fühle ich mich doch sehr einsam und allein im großen Köln, in meiner großen Wohnung, in meiner Gedankenwelt. Gerade heute, jetzt gerade, wo sich ein Haufen Leute in der Volleyballhalle an der Uni Mainz rumtreiben und das Mitternachtsturnier spielen. Ich wäre gerne dabei gewesen, von mir aus auch nur als Zuschauer, aber mein Job und ein lauter Knall haben mich davon abgehalten. Volleyball ist in den ersten Monaten diesen Jahres zu einem festen Bestandteil für mich geworden, ich habe viele neue und interessante Leute kennen gelernt. Ich bin in die Hobbymannschaft eingetreten, habe draußen im Sand gespielt, viel Zeit mit den Leuten und dem Ball verbracht. Daraus entwickelte sich eine Kerngruppe von Freunden, gespickt mit unendlich vielen Seitenarmen und Freundeskreisen. Ständig passierte etwas, der ganze Sommer war voller Bewegung. So etwas hatte ich noch nie. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann hatte ich immer einzelne Freunde, die selten zusammen funktionierten und mit deren Freuden ich nicht klar kam. Nie war es eine Gruppe, eine Gang. Zum ersten Mal war ich also Bestandteil einer Gruppe, die viel gemeinsam unternahm und erlebte, die homogen war, sich über bestimmte Dinge nach außen definierte und Insider hervorbrachte. 5 Leute als Kern, alle anderen in wechselnden Besetzungen aus den Seitenarmen der Freundeskreise passten sich ein, wurden akzeptiert und komplettierten den Kreis.
In diesem Sommer war ich bewusst glücklich. Klar, hinterher kann man das immer leicht behaupten, glücklich gewesen zu sein, aber ich habe es gewusst. Ich habe diese Zeit bewusst erlebt, es genossen und mich treiben lassen. Es erfüllten sich Traumbilder, Klischeebilder von perfekten Situationen. Zu Fünft im Auto durch die warme Nacht, die Fenster und das Dach offen, mit der besten Musik, Schmetterlingen im Bauch und dem tiefen Gefühl, mich fallen lassen zu können. Als bestes Beispiel fällt mir – für die 4, die sich hier angesprochen fühlen sollten – die Nacht in Bad Camberg ein, aber die Erinnerungen an diesen Sommer sind schier unerschöpflich, es ist nur eine Situation von vielen.
Und jetzt ist es weg.
200 Kilometer haben mich aus dieser Bahn gerissen, ein totaler Umbruch. Raus aus der Leichtigkeit eines Studenten, rein in die volle Verantwortung eines Jobs in einer fremde Stadt. Noch dazu hat sich der Lebensmittelpunkt des Sommers – Claudia – mit einem lauten Knall in Rauch aufgelöst, gerade als ich hier ankam. Ich habe von dem Knall immer noch das Fiepen im Ohr, es tut weh. Ich habe es nicht verstanden. Die Gang ist jetzt ohne mich, wenn sie überhaupt noch ist. Vielleicht ist sie durch den Kanll – wofür die anderen drei nichts können – aber einfach auch nur in zwei Teile zerrissen und ich treibe als Satellit 200 km weit entfernt. Ich weiß es nicht. Das Gefühl dieses Sommers wird nicht noch einmal sein Gesicht zeigen.
Es ist hart, von Null anzufangen. Als ich nach Mainz kam, war Sarah da, hier in Köln ist niemand. Wie fängt man ein neues Leben an, ohne auch nur irgendjemanden in Köln zu kennen? Klar werden sich Leute finden, am Anfang vielleicht auch nicht die Richtigen, aber das wird schon. Das höre ich übrigens gerade an allen Ecken und Enden: “Das wird schon.” Danke für den Support, denn ohne die ganzen Mails, Telefonate und Besuche wäre ich hier schon durchgedreht. Klar wird das, aber es ist noch nicht und deswegen stehe ich hier und kann nicht anders:
Ich vermisse euch. Alle.





