Alles, was wir geben mussten

Kurz vor Weihnachten gelesen:

kazuoishiguro

Auf den ersten Blick und laut Klappentext ein Roman über ein Internat irgendwo in England. Doch die Kinder hier sind etwas Besonderes. Kazuo Ishiguro (Was vom Tage übrig blieb) erzählt aus der Sicht der fast 30-jährigen Kathy, die zurückblickt auf ihre Jugend, ihre Tage im Internat Hailsham und das, was danach kam.

Ishiguro lässt den Leser lange im Unklaren, ebenso wie die Protagonisten in ihren jungen Jahren, die nichts über ihre Bestimmung wissen. Nach und nach setzt sich ein Bild zusammen, bedrückend, eine Zukunftsvision trotz Gegenwartshandlung. Man möchte aufschreien und eingreifen, den Kindern zur Rebellion verhelfen. Als aufgeklärter Mensch fragt man sich, warum die Protagonisten nichts unternehmen, man muss mit ansehen, wie sie sich ihrem Schicksal fügen. Doch Ishiguro versteht es, dem Leser die Hilflosigkeit und Verwirrtheit zu erklären, die durch fehlende Aufklärung und das autoritäre Hailsham entsteht.

Ishiguro hat einen literarischen Schreibstil, wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Es macht Freude zu erleben, wie er den Leser tiefer in die Geschichte zieht und er fast in einem Nebensatz die Bombe platzen lässt, die Ahnung bestätigt, die man schon nach den ersten paar Seiten in sich trägt. Er schafft eine Atmosphäre, die genau in das Bild der Erzählung passt. Ich habe mich darin verloren und die Zeilen genossen, während ich sie verschlang.

Eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>