Sonntagnachmittag, das Telefon schweigt, keine Glotze und im Netz passiert so viel wie 3 Minuten vor Neujahr.
In solchen Momenten ziehe ich mir die dicken Schuhe an und mache mich auf in den Wald. Leider komme ich viel zu selten dazu.
Draußen, die Luft viel zu warm, so dass man sich die Jacke aufmachen muss, um nicht zu schwitzen. Die Fetzen blauen Himmels, die ich noch durch mein Fenster gesehen habe, sind verschwunden, sobald ich den Wald betreten habe. Graue Suppe macht sich breit. Abseits des Straßenlärms knirscht die Erde unter den Schuhen, macht manchmal schmatzende Geräusche, ich umkurve die Pfützen. Es sind keine Blätter mehr da, mit denen der Wind spielen könnte. Sie liegen faul auf dem Boden, manchmal als zusammengekehrte Haufen, die so matschig aussehen, dass niemand Lust hat, da reinzuspringen. Und so dringen lediglich meine eigenen Schritte an mein Ohr, vermsicht mit dem Geschrei der vielen Kinder, deren Eltern den Sonntagsspaziergang zur Institution gemacht haben. Es gibt ein paar Jogger, die alleine unterwegs sind, ansonsten nur Familien. Sie kommen mir entgegen, 1,4 Kinder, mit Kinderwagen oder Laufrad, viele mit Hund. Die Hunde sind auch die einzigen Tiere hier im Wald, die Vögel haben sich schon lange verzogen. Die haben es gut, denke ich mir, als ich mich auf eine Bank am Rand einer großen Wiese setze. Fliegen einfach dahin, wo es warm ist. Trotzdem will ich kein Vogel sein. Außer ich behalte mein Bewusstsein. Aber das ist ein anderes Thema. Eine Studentin kommt auf mich zu, quer über die Wiese, alleine. Ganz klein noch taucht sie am Ende der Wiese auf und nähert sich. Ich lächele ein wenig, als die Konturen ihres Gesichts anfangen sich gegen das Grau des Himmels abzuzeichnen (sich der Kontrast erhöht, wie der Fernsehtechniker ganz unromatisch sagen würde). Sie verlangsamt ihren Schritt, schaut mich an und biegt rechts auf einen Weg ab. Sie dreht sich nicht noch mal um. Warum auch?
Als ich wieder aus dem Wald heraustrete, empfängt mich das laute Rauschen der Straßen, Hektik, Hupen. Ich ziehe den Kopf etwas ein und schlage den Kragen höher. Ich freue mich auf einen Tee zu Hause.
Das Anlächeln, am besten noch, wenn man Jemandem dabei in die Augen schaut, ehrlich. ist eine gute Angewohnheit. Meistens reicht so ein kurzer Moment um den Tag eines Menschen in eine viel bessere Richtung zu lenken, als dieser sich das nach dem Aufstehen vorgestellt hat. Selbst erlebt, gerne weitergegeben an andere Menschen, meistens auf tristen Busfahrten zur Uni.