Köln kann’s, Köln kann’s besser, Köln kann mehr. So hieß es noch bis vor ein paar Stunden. Die Sause ist vorüber, die Lokale geschlossen und Köln hat gewählt. Und jetzt? Wahlplakatwechsel. Die Kommunalkandidaten wurden vorhin schon gegen Merkel, Steinmeier und Co ausgetauscht, zumindest an einer Straße, wo meine Bahn entlang fuhr. Als ich dann zu Hause war, fand ich das Ergebnis in etwa so vor, wie ich es erwartet hatte, zumindest für den Bürgermeisterposten.
Nach 4 Jahren Ruhestand ist Jürgen Roters (SPD) wieder in der Politik aufgetaucht und hat den liebaussehenden, aber im Klüngel und Archivhaus-Einsturz verschütt gegangen Fritz Schramma (CDU) beerbt. Für mich war das vorauszusehen. Denn nachdem Schramma erklärte, wegen des Stadtarchivs nicht erneut kandidieren zu wollen, schwamm die CDU in Köln lange herum auf der Suche nach einem Kandidaten. Reihenweise sagten Politiker ab, selbst dem Fraktionsvize Bosbach wurde der Posten angeboten. Dann fand man irgendwann doch jemanden, Peter Kurth – aus Berlin. Zwar in Siegburg geboren, aber die letzten Jahre im Berliner Kreisverband Pankow tätig. Ein Berliner für Köln? Da war mir schnell klar, der kanns nicht werden. Auch, weil die FDP einen eigenen Kandidaten stellten, die Grünen aber zu Gunsten von Roters verzichteten. Da war auch egal, dass im Zuge des jüngsten Klüngles um Beraterverträge der Sparkasse KölnBonn auch der SPD-Kandidat Roters einräumen musste, 2006 für ein unbrauchbares Gutachten 35.000 Euro kassiert zu haben. So was ist der Kölner an sich ja gewohnt. Nur dass es auf einmal kein Stadtarchiv mehr gibt und dass, weil sich die Stadt beim Bau der U-Bahn über viele Ecken am Ende selbst beaufsichtigt hat, es zwei Tote geben musste, das kann der Kölner nicht verstehen. Ich übrigens auch nicht. Mal sehen, wie es nun unter Roters weitergeht.
Die Ratsverteilung allerdings sieht anders aus. Hier trennen CDU und SPD nur 350 Stimmen voneinander, beide erringen mit knapp 28% je 25 Sitze. Beide haben aber verloren, 3 bzw. 5%. Ein aus meiner Sicht tolles Ergebnis erreichen die Grünen mit knapp 22% (2004 noch bei 16,5%) und 20 Sitzen. Leider hat auch die rechte ProKöln Zuwachs bekommen und erhält 5 Sitze mit 5,3%. Ganze 20.000 Menschen haben in Köln rechts gewählt. Verdammt!
In meinem Veedel allerdings haben 31,5% (+7%) die grüne Kandidatin gewählt. Damit hat sie die anderen weit hinter sich gelassen.
Ich frag mich trotz dieses Artikels und meines Interesse an Kommunalpolitik, ob ich etwas merken werde von den Auswirkungen der Neuverteilung im Rat und beim OB. Ich kann mich nach wie vor nicht mit der Stadt anfreunden, nach wie vor ist es eine hässliche Stadt vom Erscheinungsbild. Vielleicht wirds ja jetzt ein bisschen grüner. Und da ich seit einigen Wochen jeden Morgen eine Zeitung bekomme, bin ich nun auch besser informiert über das, was in Köln so los ist. Zumindest hat es die alte Ratsregierung (ist die dafür überhaupt zuständig?) geschafft, dass meine Steuergelder aus dem Konjunkturpaket II unter anderem dafür verwendet werden, die Buckelpiste vorm Haus wieder in eine Straße umzuwandeln. Aber auch nur die Straße, nicht den Bürgersteig! Stand auch extra so im vorauseilenden Entschuldigungsschreiben der Stadt, Betreff Lärmbelästigung durch Bauarbeiten. Denn der Bürgersteig wurde ja schon von NetCologne mit neuen Mustern versehen, die hier vor ein paar Monaten die Häuser an eine 100MBit Glasfaserleitung angeschlossen haben. Jetzt habe ich schnelles Internet, bald neue Straße und einen neuen OB. Toll.