Es ist warm, als ich mit meinem Kaffee auf den Balkon trete. Dunkelblaugraue Wolken lassen das Laub und die verblassenden Farben des Herbstes leuchten. Der Baum gegenüber trägt nur noch wenige, knallgelbe Blätter. Als hätte jemand seinen Pinsel am schwarzen Stamm ausgeschlagen. Kein Wind ist da, um mit den Farbklecksen zu spielen. Nichts bewegt sich. Das Klicken des Feuerzeugs ist das einzige Geräusch, was an diesem wattierten Sonntag an mein Ohr dringt. Der Rest ist Stille.
Doch die Stimmen der Nacht überschlagen sich, Bilder kommen Tausendfach wieder, Erinnerungen geben sich die Klinke in die Hand. Zigaretten, Alkohol, Musik. Dein Lachen. Versunken im weißen Sofa hast Du mir die Stöpsel ins Ohr gedrückt und mich für ein paar Takte ins Niemansland meiner Gedanken geworfen und aprubt wieder an die Oberfläche gerissen. Braune Augen grinsen, Hände vor dem Gesicht, ich beiß mir auf die Lippe. Gespräche, Gedanken, in Fetzen oder im Ganzen, Ewigkeit im kurzen Moment versteckt. Ein paar Monate vorher wäre es schon hell gewesen, als wir die Welt da draußen betraten und noch ein paar Minuten den Weg nach Hause teilten. Kühle Luft umwehte uns. Durchatmen, runterkommen, Widersehen sagen und es auch meinen. So wunderbar seltsam durch die Nacht.
„Alle Schlechtpoesie entspringt echtem Gefühl. “