Weiter

Es dreht sich. Der Wind kommt mittlerweile aus allen Richtungen. Pessimisten würden sagen, der Arme hat nur noch Gegenwind. Ich sage, ich habe nur noch Rückenwind. Egal, in welche Richtung ich schaue, ich habe den Wind im Rücken, kann mich zurücklehnen, anlehnen. Jeder Weg fühlt sich irgendwie richtig an.
Aber der Wind ist nicht warm, er ist schneidig und kalt. Egal, welchen Weg ich nehmen werde, es wird nicht leicht sein, mein Leben in diese Richtung zu delegieren. Mit jedem Tag tun sich mehr Möglichkeiten auf und werfen mich in eine andere Richtung. Bleib ich, geh ich? Und wohin? Es stellt sich keine Euphorie ein, dazu ist meine Zukunft einfach zu ungewiss. Aber ich spüre, dass ich lebe. Und das sehr deutlich. Blockaden haben sich aufgelöst oder werden kleiner, neue tun sich auf. Es dreht sich. Weiter.

Verlorene Daten – na und?

Ich habe gerade wegen irgendwas in meinem Blog-Archiv gestöbert und habe einen alten Eintrag gefunden, in dem ich den Verlust meiner Daten wegen eines Plattenschadens bejammert habe.

Was alles weg ist:

  • Alle meine Emails aus 4 Jahren! Alle Email-Adressen ebenso.
  • Mein Homepage-Ordner mit meinen gebastelten Pages aus 3 Jahren!
  • Handy-Fotos und Fotos, die ich von Freunden bekommen habe.
  • Sämtliche Installationsdateien für Programme (so an die 100).
  • Der Uni-Ordner mit allen Referaten und Arbeiten
  • Jeglicher Schriftwechsel, Kündigungen, elektronische Verträge, etc.
  • Alle Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsanschreiben
  • Dazu sind von meiner großen Platte 40GB Musik verschwunden

Und heute, dreieinhalb Jahre später? Ich vermisse keine einzige Mailadresse, und Mails aus der Zeit interessieren mich nicht mehr wirklich. Meine damalige Homepage hab ich im Internetarchiv wiedergefunden, das reicht zur Belustigung. Die Programme hab ich durch andere, teils bessere ersetzt. Uni-Kram, Schriftwechsel, Bewerbungsunterlagen? Alles egal. Und Musik vermisse ich auch nicht (mehr). Einzig die Fotos wären bedauernswert, aber ich kann mich heute nicht mehr dran erinnern, welche das gewesen sein mögen. Mal abgesehen davon, dass ich damals keine wirklich gute Kamera an meinem Handy hatte. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Macht Sinn.

Wenn allerdings heute eine meiner Platten ausfallen würde, wäre der Verlust ungleich größer. Ich habe zwar Sicherungen u.a. auf externen Platten, aber die Updates sind sehr unregelmäßig. Dabei habe ich doch gerade Zeit mehr als genug. Okay, Datensicherung kommt auf die Prokrastinationsliste.

Von Drachen und Stromschnellen

Drache

Der erste, kräftige Herbstwind ist da. Er hat die Wolken weggepustet, die Sonne scheint zum ersten Mal seit Tagen wieder. Es ist trotzdem diesig, man kann nicht sehr weit gucken.
Ich stehe am Ufer des Flusses und lehne mich gegen den Wind. Es ist kalt, und der Wind spielt mit meiner Kapuze, zerrt an meiner Hose und Jacke. Die Bäume rascheln, obwohl sie kaum noch Blätter tragen. Weiter hinten sehe ich einen Straßenfeger, der langsam einen Laubhaufen zusammenkehrt. Immer wieder fährt der Wind hinein, stößt die Blätter auseinander, wirbelt sie herum. Es scheint ihm nichts auszumachen, er kehrt mit stoischer Ruhe weiter, so wie Beppo.
Auf der anderen Seite des Flusses, auf den noch grünen Wiesen, lassen Kinder ihre Drachen steigen. Sie lachen, laufen umher, ihre bunten Schals flattern im Wind wie die langen Schwänze ihrer Drachen am Himmel. Ich würde gerne auch da drüben stehen, eine Schnur in der Hand halten und hinaufblinzeln in den blauen Himmel, wo mein Drachen schwebt.
Eine kleine Wolke zieht vorbei, verdeckt kurz die Sonne. Und sofort spüre ich wieder die Kälte des Windes, die Vorboten des herannahenden Winters. Ich schaue auf das krause Wasser, auf die unzähligen kleinen Wellen, die glitzernd die Sonne reflektieren. Es sieht aus, als würde es schneller als sonst fließen.
Wie oft habe ich schon hier gestanden und auf das Wasser geschaut? Der Fluss hat eine beruhigende Wirkung. Und doch steht er für Veränderung, sieht immer anders aus, wenn ich komme. Wie oft werde ich wohl noch hier herkommen? Es geht weiter, so wie dieser Fluss auch immer fließen wird, wird auch mein Weg weitergehen. Aber im Moment macht mein Fluss eine Biegung, verzweigt sich, durchläuft Stromschnellen mit geringer Wassertiefe. Ich muss vorsichtig navigieren, die nächsten Schritte müssen wohl überlegt sein. Die Seitenarme könnten mich ganz woanders hinbringen. Sollte ich diesen oder jenen dort nehmen? Führt der hier ans Meer? Und dieser? Verlässt er Deutschland? Dreht jener sich im Kreis? Und wohin führt der Fluss dort? Der sieht aber nett aus!

So stehe ich am Ufer und schaue aufs Wasser, am nahen Horizont wieder einmal nur Nebel. Ich weiß, es wird nicht weiter geradeaus gehen. Ich spüre Angst und Freude, bin aufgeregt und neugierig. Ich werde mir noch etwas Zeit lassen mit einer Entscheidung. Nur eins spüre ich: Ich werde nicht kentern. Ich vertraue auf meinen Fluss, er hat mich noch nie enttäuscht.
Wenn ich später irgendwann einmal wieder hier stehen sollte, den Wind im Rücken, die Sonne auf der Nase und Musik im Ohr, dann werde ich sagen können, es war richtig so.

Wer kommt mit, Drachen steigen lassen?

Twitter-Fundstücke XII

i_need_coffee aus versehen musik gehört, die mal “unsere” war. und der gedanke, dass du sie jetzt für dich alleine hast.

BirkBorkason Ein Tag zum Meerschweinchen kastrieren.

i_need_coffee diese statistikübung kotzt mich so sehr an, dass ich heute zu prokrastinationszwecken ein komplettes buch von benjamin lebert gelesen habe.

Vergraemer Kennt sich hier jemand mit Huhn-Hypnose aus? Falls ja: warum?

DrLambda Zwischen lustig und lächerlich liegt oft nur die Paarungsbereitschaft des Gegenübers.

hahahade Dein Partner ist zu dick? Lass ihn täglich 15 km laufen. In einer Woche ist die fette Sau dann schon 105 km weit weg.

Außerdem hat Twitter mir am Montagabend die Wäsche “gerettet”, die lag nämlich schon seit Stunden fertig in der Maschine im Keller.

MarkKnochen Wäsche? Gucken? Na, klingelts?

Danke für den Reminder, Mark!

Ich möchte wissen, wer du bist!

Gisbert zu Knyphausen covert daantje and the golden handwerk, “Wer du bist”:

Seit ich dich das erste Mal sah,
ist mein Verstand nicht mehr ganz klar.
Uns nur im Ansatz bekannt, dachte ich,
wir wären seelenverwandt,
Du und ich.

Ich träumte zu den Wolken hinauf.
Die Bauchlandung folgte darauf.
Enttäuscht und leicht frustriert
wurde daraufhin schlecht kommuniziert.

Auch wenn du das vielleicht anders siehst,
glaub ich nicht, dass sich diese Spannung löst.
Ich kann nur sagen, was in mir vorgeht
und hoffen, dass du dies verstehst.

Ich möchte wissen, wer du bist
und was deine größte Freude ist.
Warum meine Gegenwart dich bedrückt
und dich das Tanzen so entzückt.

Ich weiß, ich sollte mehr riskiern,
um meine Gefühle zu relativiern.
Was ich für dich wirklich empfinde,
ist noch gar nicht abzusehen,
Nein, Nein.

Aber du weißt, ich bin halt Stier.
Du kannst dies hoffentlich verstehn.
Du hast eine faszinierende Art.
Schade, dass ich noch keine Zugang fand.
Zu deinem Wesen,
was dich berührt.
Viel wäre Freundschaft mit dir wert.
Kann sein, ich bedeute dir nicht viel,
aber wäre Freundschaft nicht dein Ziel?

Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist.
Ich möchte wissen, wer du bist!

So seltsam durch die Nacht

Es ist warm, als ich mit meinem Kaffee auf den Balkon trete. Dunkelblaugraue Wolken lassen das Laub und die verblassenden Farben des Herbstes leuchten. Der Baum gegenüber trägt nur noch wenige, knallgelbe Blätter. Als hätte jemand seinen Pinsel am schwarzen Stamm ausgeschlagen. Kein Wind ist da, um mit den Farbklecksen zu spielen. Nichts bewegt sich. Das Klicken des Feuerzeugs ist das einzige Geräusch, was an diesem wattierten Sonntag an mein Ohr dringt. Der Rest ist Stille.
Doch die Stimmen der Nacht überschlagen sich, Bilder kommen Tausendfach wieder, Erinnerungen geben sich die Klinke in die Hand. Zigaretten, Alkohol, Musik. Dein Lachen. Versunken im weißen Sofa hast Du mir die Stöpsel ins Ohr gedrückt und mich für ein paar Takte ins Niemansland meiner Gedanken geworfen und aprubt wieder an die Oberfläche gerissen. Braune Augen grinsen, Hände vor dem Gesicht, ich beiß mir auf die Lippe. Gespräche, Gedanken, in Fetzen oder im Ganzen, Ewigkeit im kurzen Moment versteckt. Ein paar Monate vorher wäre es schon hell gewesen, als wir die Welt da draußen betraten und noch ein paar Minuten den Weg nach Hause teilten. Kühle Luft umwehte uns. Durchatmen, runterkommen, Widersehen sagen und es auch meinen. So wunderbar seltsam durch die Nacht.

For new beginnings

Eigentlich hätte ich schon vor über einem Jahr über die Jungs aus Schweden schreiben sollen, als sie mir über den Weg liefen. Hab ich aber nicht. Nun gibt es aber einen Anlass. Nämlich das neue Album und das Konzert am Mittwoch hier im Gebäude 9 in Köln. Die Rede ist von Friska Viljor.

“For new beginnings” heißt die neue Scheibe und knüpft solide an den Stil ihrer beiden Vorgänger an. Ein bisschen mehr Folk, ein bisschen mehr Ukulele, Akkordeon und Mandoline. Und ruhiger, aber nach mehrmaligen hören für meinen Geschmack auch schöner, homogener, ausgewogener. Es fehlen halt die ganz großen Renner wie “Shotgun Sister”, “Puppet Cabaret” oder “Arpeggio”. Trotzdem schafft es die Singleauskopplung “Wohlwill” mit Schwung, den Tenor des Albums unter einen Hut zu bringen. Das Konzert konnte ja nur gut werden. Und das wurde es auch.

Als Vorbands gab es William the Contractor, der mich sehr positiv überrascht hat. Da würd ich mich freuen, mehr von dem zu hören. Danach (kurze Umbauphase: 2 Mikros tauschen) spielte Lena Malmborg mit Band, die waren aber eher lau und breiig.

Und dann kamen endlich Daniel Johansson und Joakim Sveningsson, zunächst alleine, auf die Bühne mit Ukulele und Mini-Plastik-Akkordeon und stimmten die ersten Takte von “Daj Daj Die” an. Die Halle schunkelte sich warm, dann betrat die restliche Band die Bühne und alle gröhlten zusammen wie nach einer durchzechten Nacht Daj Daj Die – Publikum inklusive. Es folgte eine bunte Mischung quer durch alle drei Alben, fast immer tanzbar, kaum ruhige Phasen zur Erholung. Die Band gab alles, es wurde gekreischt, geschrien und schräg gesungen. Ich liebe die Jungs dafür. Zur zweiten Zugabe gab es Luftballons und Konfetti und ein atemberaubendes “Friskashuffle” – “Everything is allright, everything is okay…” Am Ende verabschiedete man sich pompös und durchgeschwitzt. Einziger Wermutstropfen: Sie haben “Puppet Cabaret” nicht gespielt. Trotzdem ein sehr gelungenes Konzert.

For new beginnings. Was für ein passender Titel. Also für mich persönlich.

Twitter-Fundstücke XI

i_need_coffee ich bin sowas von single, dass ich nicht mal ‘ne laterne hab, die mit mir gehen will.

the_maki “Herrjeh, Dr.Schulze! Ich sagte beatmen! Nicht Batman! Holen Sie die Herz-Lungen-Maschine, und ziehen Sie das alberne Kostüm wieder aus”

MarkKnochen Viele sagen einfach kalt und herzlos Fahrzeugschein. Ich nenne es Autobiographie.

bosch So, Twitter, nun zeig, was Du kannst: Suche neuen Job, neue Frau, neue Wohnung. Reihenfolge egal.

luzilla großraumabteilpicknicker, die nach salamieibrotverzehr im bordbistro fragen, ob sie die tupperdosen in die spülmaschine stellen dürfen. #ice

tochtervon “schläfst du?” fragt sie, als sie leise das zimmer ihres kleinen bruders betritt – er flüstert stolz “das böse schläft nie”.