Da hat sich Katja R. sehr bemüht – und verbreitet jetzt leider falsche Informationen.
Aber der Reihe nach:
Anfang letzter Woche bekam ich eine Mail mit dem Betreff “Artikelempfehlung für Ihren Blog” von einer Katja R., die für eine Webseite mit “technischen Fakten” schreibt. Sonst bekomme ich eher spärliche Empfehlungen, doch mal Werbung für Reisen oder so was auf meinem Blog zu schalten.
In dieser Mail aber forderte Katja R. mich auf, einen Artikel über die bevorstehende Schließung des Videoportals “Google Videos” zu schreiben. Hä?
Da war doch was: Google wollte im Jahre 2005 Youtube Konkurrenz machen und hat ein Videoportal eröffnet, eben Google Videos, nur um dann ein Jahr später Youtube selbst zu übernehmen. Seitdem dümpelte Google Videos so vor sich hin, bis der Konzern jetzt verkündete, das Portal schließen zu wollen. Alle User, die Videos auf Google Videos hochgeladen hatten, wurden per Mail von Google über diesen Schritt benachrichtigt. Aber Katja R. sorgte sich:
Die E-Mail werden nur die wenigsten erhalten haben. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, einen Artikel über die baldige Schließung des Videoportals zu verfassen. [...] Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie einen Blick auf diesen werfen können: [Link entfernt]
Ich verstehe nicht, warum nur die wenigsten diese Mail erhalten haben sollen.
Und ich kann die Sorge von Katja R. nicht nachvollziehen, warum ich und andere Blogger helfen sollten, diese “News” zu verbreiten:
Bei der Schließung werden sicherlich zahlreiche Videos, die für die Uploader persönlichen Charakter haben, unbemerkt gelöscht. Wir möchten daher im Vorfeld dabei helfen, dass sich möglichst viele Nutzer über die unwiederbringliche Löschung der Videos bewusst sind und gegebenenfalls noch rechtzeitig eingreifen können.
Vielleicht haben Sie bei Gelegenheit die Möglichkeit, auf die Schließung des Videoportals aufmerksam zu machen. Sie können uns helfen, indem Sie die Thematik selbst in Ihrem Blog aufgreifen oder Ihre Freunde und Bekannte per Facebook, Twitter oder mit einem anderen Dienst darauf hinweisen.
Klar, wenn ich ein Video irgendwo hochlade, dann lösch ich es natürlich sofort von meinem PC. Dann wäre es wirklich unwiederbringlich weg, wenn das Portal dicht macht.
Aber woher kommt diese selbstlose Aufopferung? Massenhaft Mails verschicken an alles, was nach Blogger aussieht? Aufklären mit aller Macht, Informationen verbreiten.
Im letzten Satz der Mail kam die Offenbarung:
Über einen Quellenverweis würden wir uns sehr freuen.
Daher weht also der Wind. Frau R. versucht, ihr Blog bekannter zu machen mit einer simplen SEO (Suchmaschinenoptimierung). Wenn nur genügend andere Seiten auf ihren Artikel verlinken, glauben Suchmaschinen, diese Seite sei wichtig und platzieren sie entsprechend höher im Ranking.
Und damit das auch richtig gut wird, schrieb mir Katja R. am Ostermontag (sic!) gleich noch mal mit dem Betreff “Mail erhalten?”. Wieder fast genau der gleiche Text, nur noch dringlicher und pathetischer.
Schon in vier Tagen [...] alle Clips unwiederbringlich gelöscht [...] haben es uns zur Aufgabe gemacht [...] aufzuklären [...] Bitte [...] uns bei der Verbreitung der wichtigen Neuigkeit zu unterstützen.
Und natürlich:
Über einen Quellenverweis würden wir uns sehr freuen.
Und wie es aussieht, hat die Aktion leider auch geklappt. Wenn ich nach “Schließung Google Videos” suche, erscheint der Beitrag an 2. Stelle.
Ich schreibe “leider”, weil sich die Lage dann doch anders darstellt.
Wie letzten Samstag (also 2 Tage vor der 2. Mail von Katja R.) bekannt wurde, verzichtet Google auf unbestimmte Zeit darauf, die Videos zu löschen. Vielmehr hat Google offenbar doch einen Weg gefunden, die auf Google Videos befindlichen Clips allesamt zu Youtube zu migrieren.
Und Katja R.? Ihr Artikel hat immer noch kein Update erfahren, sie lässt ihre Leser weiter im Glauben, dass das Aus kommt. Schade, besonders weil die Seite, für die Katja R. diese Aktion betreibt, sonst ganz interessante “technische Fakten” bereithält und pro Tag 3 und mehr Artikel raushaut. Würde Katja R. die News zu ihrem ach doch so wichtigen Thema mit der gleichen Intensität verfolgen, wie sie versucht, ihre Seite nach oben zu pushen, wäre ihr diese Information bestimmt nicht entgangen.
Mal wieder ein schönes Beispiel für SEO mit der Brechstange – besonders wenn man sogar so winzig kleine Blogger wie mich anschreibt.
Sachen gibt’s. Bei mir hat mal eine Blogmarketing Agentur per eMail angeklopft, sie wolle doch für einen Kunden das Weihnachtsgeschäft ankurbeln und höflich nach einem beitrag fragen. Problem an der Sache, es war Mitte Januar
Glaube die Flut an Optimierungsprogrammen nimmt den Optimierern ab und an zuviel “Denk”-Arbeit ab.
Gruß aus Hameln
Hallo!
Ganz meine Meinung, ich habe auch die zwei Mails von dieser Katja bekommen – bei der ersten Mail hab ich es noch ignoriert, die Zweite musste ich dann ähnlich kommentieren: http://schnittgerinne.de/2011/04/26/seo-dank-google-video-abschaltung.html
Ich hab die Links (mit rel=nofollow versteht sich) drin gelassen. Leider haben aber viele andere Blogs diesen “Artikelvorschlag” ohne auf dem aktuellen Stand zu sein und ohne zu hinterfragen übernommen.
MfG, Jens
Hey Jens.
Ja, leider sind viele einfach so auf den Zug aufgesprungen.
Und noch blöder, wenn man sieht, dass Katja ihren Artikel nicht mehr aktualisiert hat. Die Leser von TechFacts denken also immer noch, dass sie dringend ihre Videos retten müssen. Dabei hab ich Katja nach meinem Blogeintrag noch per Mail auf die Umstände hingewiesen. Aber das interessiert ja nicht, Suchmaschinenplatzierung steht halt vor Richtigkeit…