Mehr bloggen

Geschrieben am 11. Januar 2013

„Facebook, Twitter, Google und Co machen das Netz kaputt.“ Eine steile These, geschrieben von Johnny Haeusler zwischen den Jahren auf  seinem Blog Spreeblick. Der Artikel hat mittlerweile über 320 Kommentare und Trackbacks erreicht, ist von unzähligen anderen Bloggern und Seiten aufgegriffen worden und ist sogar offline angekommen, beim Berliner Tagesspiegel und bei DRadio Wissen. Und auch ich mache mir so meine Gedanken zu dem Thema.

Es ist definitiv das Zeitalter der rasanten Informationsverbreitung, und zwar derzeit vor allem über Soziale Netzwerke. Mindesten 2/3 aller Webinhalte, die ich für interessant, informativ, erwähnenswert oder lustig halte, kommen von Facebook-Freunden, von Leuten, denen ich auf Twitter folge, von tumblr oder anderen Blogs, die ich abonniert habe.

Und das wird dann geteilt. Das neueste Lieblingsmusikvideo mal schnell auf Facebook verlinkt, ein kurzes Statement auf Twitter, den Link zum interessanten Artikel per bit.ly gekürzt und verteilt, hier ein Fav, da ein Like. Fotos lade ich nur noch selten für alle sichtbar in dieses Blog, schneller und einfacher gehts eh immer über Facebook – außerdem bekommen es da auch viel mehr Leute zeitnah mit (Thema Sofortness).

Aber schon nach kurzer Zeit ist der Inhalt wieder verschwunden, auf Nimmerwiedersehen im Nirwana der Timeline. Wiederfinden nur mit großem Aufwand. Und vor allem bleibt es oft nur denjenigen vorbehalten, die mit mir auf Facebook befreundet sind, die mir auf Twitter folgen oder die meinen tumblr kennen. Suchfunktionen? Fehlanzeige oder mangelhaft.

Na gut, wen interessiert auch schon mein Link von gestern? Mich. Und dabei geht es weniger um die Geschwindigkeit, mit der sich Inhalte verbreiten und wieder vergessen werden, sondern vielmehr darum, dass ich nicht mehr Herr meiner Daten bin. Wenn bit.ly dicht macht, funktionieren Millionen von Links nicht mehr. Wenn tumblr beschließt, kostenpflichtig zu werden, sind meine gesammelten Bilder weg. Wenn Twitter die Server nicht mehr gegenfinanzieren kann, woher kriege ich dann meine tägliche Dosis Fundstücke? (Oder noch schlimmer, wenn Twitter von Apple gekauft wird!) Und wenn Facebook irgendwann nicht mehr sein sollte, wo soll ich hin mit meinen Fotoalben, mit meinen Lieblingsvideos, mit dem ganzen interessanten Kram, den ich euch gerne zeigen will?

Ich bin ja schon froh, dass ich meine Mails noch ganz altmodisch am Rechner zu Hause abrufe und offline verwalte und sie nicht bei irgendeinem Dienstleister „in der Cloud“ liegen lasse, wo ich sie zwar überall erreichen kann, aber nicht weiß, ob sie morgen auch noch alle da sind.

Mein ganzer anderer Kram, von Postings und Kommentaren über Links bis zu Fotos, liegt irgendwo im Netz. Sämtliche Rechte habe ich an die jeweiligen Firmen und Betreiber der Netzwerke abgetreten. Und wenn es mir dann so passiert wie bei geocities, studiVZ und zum Schluss myspace, dann gibt es nichts mehr, nicht für mich, nicht für die Nachwelt.

Vielleicht bin ich zu altmodisch, zu anachronistisch, vielleicht verkenne ich den Weg, den das Netz nimmt. Aber es ärgert mich. Facebook hat es geschafft, mich viel zu sehr an seine Plattform zu binden, einfach, weil es fast all meinen Wünschen entspricht. Es ist schick, komfortabel und insbesondere auch für weniger versierte Nutzer einfach zu handhaben. Wer setzt schon einen Blog auf einem Server auf, um diesen mit Inhalten zu füllen? „Dabei kann man auf einem Blog machen, was man möchte. Ärgerlicherweise bedeutet das auch, dass man machen muss, was man möchte.“ (Sascha Lobo) Bei Facebook oder Google+ anmelden dauert keine fünf Minuten. Ein Twitteraccount ist noch schneller erstellt. Und wer Fotos präsentieren möchte, ist mit Instagram einfach gut bedient.

Versteht mich nicht falsch, ich nutze all diese Dienste und Netzwerke natürlich trotzdem gerne und viel. Natürlich werde ich auch weiterhin mal eben ein Handyfoto bei Facebook hochladen, werde von unterwegs twittern und Verabredungen via Gruppen in Facebook oder per Whatsapp treffen. Und für das unerfahrene Lieschen Müller sind Facebook, Google+ und Twitter auch der einfachste Weg, eine eigene Plattform im Netz zu bekommen.

Aber ich werde wieder verstärkt darauf achten, was mit meinen Daten passiert, wer sie bekommt, an wen ich meine Rechte daran abtrete und wie diese Daten weiter verwertet werden. Und ich werde wieder stärker diesen meinen Blog in den Vordergrund rücken. Ich werde nach Möglichkeiten suchen, die einfaches Bloggen und schnelle Foto-Uploads ermöglichen, werde nach Schnittstellen suchen, nach Hilfsprogrammen, werde meine eigene Cloud aufbauen und die Plattformen wie Facebook oder Twitter verstärkt nur noch als Hinweisgeber auf meinen Blog benutzen. Ich will wieder mehr bloggen!

(Und als sei es ein Lauffeuer, hat auch blogoli gestern angekündigt, 2013 wieder mehr bloggen zu wollen. Ich freu mich drauf!)