Be true, not bettrer

Geschrieben am 15. August 2013

Und da war es schon wieder vorbei. Stattdessen ist er da, der Blues. Ich möchte wieder zurück aufs Land, zurück in den Schoß der Haldern-Familie, zurück auf den Alten Reitplatz, ins Spiegelzelt, an den See, möchte Musik hören und großartige Momente erleben. Aber der Reihe nach. Nach dem Klick.

Donnerstag

Das Reisefieber meinte es gut mit mir und ließ mich eine ganze Stunde zu früh am Treffpunkt aufschlagen. Also noch mal nach Hause, noch n Kaffee trinken und nen weiteren Pulli einpacken. Kühl und Nieselregen in Köln. Aber während der Fahrt klarte es immer mehr auf. Wo die A2 die A3 verlässt, setzte Peter sich zum 1. Mal die Sonnenbrille auf. Ha! Kurz vor Rees dann die ersten Sonnenstrahlen. Ankunft. Stefan hatte schon nen Platz reserviert, etwa die Stelle wie im letzten Jahr, bloß dieses Mal mit Bierbank-kaputt-fahrenden Nachbarn, Zebrastreifen und extra gesichert durch die Polizei, die Streife fuhr.

Musikalisch angefangen hat es dieses Jahr mit This Is The Kit im Spiegelzelt, die eher ruhig daherkamen mit ihrem Banjo und einen schönen Einstieg für die kommenden drei Tage boten. Nach einer Grillpause ging draußen weiter, Biergartenbühne, We Were Promised Jetpacks. Rockig, treibend, passend zum Sonnenuntergang, die ersten Biere in der Hand. Julia Holter, die nach den Jetpacks im Spiegelzelt spielte, habe ich mir nur von draußen angesehen (Die Konzerte im Spiegelzelt werden auch draußen auf einer Leinwand inkl. Boxen übertragen, weil das Zelt nicht so viele Leute fasst) – war auch nicht mein Fall, zu divenhaft, die Dame.
Die Entdeckung des Abends und mein Highlight für den Donnerstag aber waren SUUNS aus Kanada, die ihre Gitarren mit viel Elektronik und fetten Basslandschaften untermalten. Großartig, die Sonne mittlerweile untergegangen, draußen auf der Biergartenbühne, einfach toll. Auch, weil sie als perfektes Bindeglied zwischen den Jetpacks und dem anschließend auflegenden Gold Panda fungierten. Den hab ich mir allerdings nur von weiter weg angehört, der war mir anfangs zu stressig. Leider ist mir der viel gelobte Auftritt von John Grant im Zelt dazwischen ein bisschen durchgegangen.

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Freitag

Nach ausgiebigem Frühstück (Danke für die Brötchen, Peter!) bin ich an den See, den Kater bekämpfen und ein bisschen baden. Hinter dem Festivalgelände hat es nämlich einen sehr schönen See, den man umrunden kann und überall kleine Ecken zum reinspringen findet. Auch das Backstage-Gelände grenzt daran und wird immer wieder gerne auch für Interviews genutzt. Das Wetter war passend dazu, fantastisch! Das Grillen am Camp hatte ich dadurch leider verpasst, ging es nämlich schon um halb 4 wieder mit Musik weiter – und gleich ein weiterer Höhepunkt zum Auftakt: Bear’s Den im Spiegelzelt. Die hatte ich dieses Jahr schon als Vorband von Daughter und von Ben Howard gesehen und mich sehr auf sie gefreut. Offensichtlich nicht nur ich. Das Konzert wurde kurz vor Festivalbeginn noch von der Pop Bar ins Zelt verlegt. Das war auch gut so. Und wie erwartet haben Bear’s Den ein sehr schönes Konzert hingelegt. Ein Highlight des Tages.
Die Goldenen Zitronen im Anschluss auf der Mainstage waren mir zu anstrengend, da bin ich schon früh wieder gegangen, um mich mit Entsetzen in die lange Schlange vorm Spiegelzelt zu stellen. Alle wollten Balthazar sehen. Toll ist, wenn dann Freunde vorbeikommen und einem ein Bier mitbringen. Noch toller ist es allerdings, wenn man auch noch eine Akkreditierung in die Hand gedrückt bekommt und einfach so an der ganzen Schlange vorbei ins Zelt marschieren kann. Nie und nimmer wäre ich pünktlich zum Konzert drin gewesen. Danke, Jule! Und es hat sich wirklich gelohnt. Balthazar war große Klasse. Dass die sympathischen Belgier meinen Lieblingssong nicht gespielt haben, hat dem Konzert aber keinen Abbruch getan. 2. Highlight des Tages.
Vom Zelt aus ging es wieder zurück zur Mainstage, der Rest der Truppe wollte sich Lee Fields & The Expressions anschauen – und ich muss sagen, der quirlige kleine Soulsänger hat mich beeindruckt. 61 Jahre, eine Stimme wie James Brown, ein toller Auftritt. Ich bin an dem Tag nicht mehr ins Spiegelzelt gegangen, sondern habe mir Tom Odell, Villagers und Sophie Hunger auf der Mainstage angeschaut. Wobei Letztere mir zu hochnäsig gesungen hat. Irgendwie sehr eingebildet geworden, die Gute. Tom Odell dagegen war klasse, ebenso wie Villagers. Das Bier war auch klasse, obwohl es nur KöPi gab, aber es lief, sodass ich um Mitternacht schon im Zelt lag und leider James verpasst habe.

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Samstag

Schon wieder Brötchen. Danke, Peter! Schon wieder Sonne, dieses Mal aber kühler und ein paar Wolken. Egal, noch mal an den See. Und dann rein ins Getümmel, Abschlusstag mit den meisten Konzerten. Buke & Gase waren für den Anfang ganz nett, aber n bisschen zu stressig für den noch vorhandenen Kater. Duologue konnte zwar niemand aussprechen, haben aber trotzdem gerockt. Erstes Toll des Tages. Dan Croll im Zelt war zu voll, den habe ich mir von draußen angeschaut, auch toll, aber draußen kommt die Stimmung leider nicht so rüber. Danach kurz zurück ans Zelt, umziehen, weil Ungemach drohte. Es blieb aber trocken und wurde später immer sonniger.
Weiter ging es mit Kettcar. Eigentlich hatte ich mich nie dafür begeistern können, mich nie wirklich reingehört in deren Songs. Aber was die Jungs da abgeliefert haben, hat mich beeindruckt. Toll. Warum hat man die nicht schon früher mal eingeladen?
Local Natives, ebenfalls auf der Mainstage, waren das dritte Toll an diesem Tag, auch wenn ich die Studioalben besser finde. Die Alabama Shakes habe ich mir dann geschenkt, weil ich mich lieber für Denis Jones im Spiegelzelt angestellt habe. Und das hat sich so richtig gelohnt. Große Klasse, was der Mann mit Sounds, Loops und seiner Gitarre so anstellen kann. (Funfact: Ich habe ihn gegen halb 6 morgens auf dem Campingplatz getroffen und mich für den Auftritt bedanken können.)

Vom Spiegelzelt wieder zur Mainstage, wo Glen Hansard mittlerweile schon angefangen hatte zu spielen. Okay, ich hatte mir vorher einen oder zwei Songs angehört, ganz nett, ja. Die anderen wollten ihn unbedingt sehen, und so habe ich mich zu ihnen gesellt – und ein richtig tolles Konzert erlebt. Und kam er, der magische Moment des Festivals. Als letzten Song spielt Hansard seine Oscar-prämierte Ballade „Falling slowly“ (im Original ein Duett) und fragt nach dem ersten Refrain ein Mädel im Publikum, ob sie den Song kenne und mitsingen würde. Also kommt sie auf die Bühne, begleitet vom Jubel des Alten Reitplatzes – und dann hat es uns allen die Schuhe ausgezogen: Sie kannte nicht nur den Text, sie konnte auch wirklich toll singen. Der Song allein ist schon herzzerreißend, aber da waren einfach alle begeistert, Tränen flossen, Jubel ohne Ende. Der WDR Rockpalast filmt zum Glück die Konzerte auf der Mainstage und hat gleich am Sonntag schon das Video dazu online gestellt. Selbst wenn man nicht dabei war, ich denke, die Emotionen kommen auch so rüber. Schaut es euch an.
Das hat den Auftritt von Glen Hansard zu meinem absoluten Highlight des Festivals werden lassen.

Da danach keine Chance mehr bestand, ins Spiegelzelt reinzukommen, um Half Moon Run zu sehen, sind wir vor der Mainstage geblieben und haben uns den Anfang von Regina Spektor angeschaut, die erst Tonprobleme mit ihrem Klavier hatte, dann nervös improvisierte und so komisch agierte, dass wir uns vom Acker Reitplatz gemacht haben. Allerdings war es Zelt nicht besser, sondern eher das langweiligste Konzert der ganzen drei Tage. The Staves, Drillingsschwestern aus UK, Songwriting von der eher lahmen Sorte. Aber wir haben brav im Zelt ausgeharrt, uns danach in die zweite Reihe gekämpft, um dann umgeben von Kindern und Jugendlichen zu Käpt’n Peng und den Tentakel von Delphi rumzuhüpfen. Sockosophie! Genial. Ich hab auch noch nie n Moshpit im Spiegelzelt erlebt. Es hat uns dann aus der zweiten Reihe in bisschen an den Rand gedrängt, aber immer noch mittendrin. Sehr spaßig!

Den krönenden Abschluss machten dann gegen halb 3 Brandt Brauer Frick. Elektro mit Live-Schlagzeug, fette Beats, unglaublich tanzbar. Und dann war Schluss. Aus. Ende. Keine Musik mehr. Die Ordner werden dann auch gleich ganz freundlich und schieben einen raus. Als ich dann irgendwann im Zelt lag, wurde es schon langsam wieder hell.

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Sonntag

Vier Stunden Schlaf. Keine Brötchen, dafür Brot. Auch lecker. Danke, Peter. Brennende Müllcontainer, die echt nicht hätten sein müssen. Dann einpacken, zusammenräumen, Abfahrt.

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Was bleibt, ist die Erinnerung an drei wunderbare Tage, tolle Menschen, geniale Musik, eine unglaublich entspannte Atmosphäre, herrliches Wetter und die immer wiederkehrenden Gänsehautmomente, wenn ich zurückdenke.

Danke, Haldern!

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PS: Die Überschrift dieses Beitrages ist das Motto des 30. Haldern Pop gewesen – der Rechtschreibfehler steht so auf dem Festivalbändchen drauf, von denen 7.000 gedruckt wurden.