Trennt den Staat von der Kirche!

Geschrieben am 17. Januar 2013

Unglaublich. In Köln wurde eine 25-Jährige nach K.O.-Tropfen mutmaßliches Opfer einer Vergewaltigung. Und zwei katholische Krankenhäuser wiesen sie ab. Die Verschreibung der „Pille danach“ und eine Notfallkontrazeption, also eine Spurensicherung einer möglichen Vergewaltigung, seien grundsätzlich ausgeschlossen. Sie widersprächen den ethischen und moraltheologischen Grundsätzen der katholischen Kirche, hieß es. Mehr dazu hier (Video), hier und hier. Wie kann das sein? Wie kann einer Frau in höchster Not Hilfe verwehrt werden?

Ein unglaublicher Aufreger und für mich ein weiterer dringender Grund, das Modell Staat-Kirche weiter zu trennen.

Im November lief in der ARD die sehr interessante Dokumentation „Gott hat hohe Nebenkosten – Wer wirklich für die Kirchen zahlt“ (Video) über die Kindergärtnerin Bernadette K., die nach der Trennung von ihrem Mann zu ihre neuen Freund ziehen wollte und deswegen von der Kirche gekündigt wurde.
Sie ist nur eine von Millionen Angestellten in katholischen Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäusern, Pflegeheimen, für die ein ganz besonderes kirchliches Arbeitsrecht gilt, obwohl die Kirche nur als „Träger“ fungiert. Bezahlt wird das alles aus Steuergeldern! Es klebt als der Stempel der Kirche draußen dran und die Kirche darf bestimmen, wen und unter welchen Voraussetzungen sie einstellt. Aber bezahlen tut es der Staat, also wir alle. Und da, finde ich, hört für mich die Einflussnahme auf. Wenn ich für ein Krankenhaus bezahle, dann will ich auch, dass dort nach weltlichen Maßstäben gehandelt wird und nicht nach denen des finsteren Mittelalters!

Im Fall der Benadette K. übrigens hat es eine Initiative aus empörten Eltern und anderen geschafft, im Rat der Stadt so einzuwirken, dass der Kirche die Trägerschaft gekündigt wurde. Bernadette K. durfte ihren Job behalten.

Und ich finde, so muss es auch im ganzen Land in allen anderen Einrichtungen werden. Es treten immer mehr Menschen aus der Kirche aus, immer weniger Menschen gehen zu Gottesdiensten. Aber die Zahl der kirchlichen Einrichtungen nimmt immer weiter zu!
Versteht mich nicht falsch, wer will, kann gerne weiter der Kirche angehören und ihre Werte übernehmen. Es kann auch gerne weiterhin Kindergärten, Krankenhäuser und andere Einrichtungen der Kirche geben. Aber doch nicht in dem Maße, wie es jetzt ist.
Für die Städte ist es nur recht und billig, eine Einrichtung an die Kirche abzugeben, denn oft gehören der Kirche die Gebäude oder Grundstücke und die Verwaltung und Bürokratie ist eine andere, um die sich dann die Stadt, die Gemeinde oder das Land nicht mehr kümmern braucht.
Und da liegt das Problem. Unsere weltlichen Werte sollten uns es wert sein, dass wir ein bisschen mehr bezahlen für ordentliche Arbeitsverträge und moderne Moralvorstellungen.

Wir müssen endlich weg von den anachronistischen Wertevorstellungen der Kirche, wenn es um Staat, um Allgemeinwohl geht!

 

Update:

Die Vorkommnisse stünden in einer Kette von Fällen, die zeigten: „Christliche Nächstenliebe hört da auf, wo es um die Dogmen einer verstaubten Amtskirche geht.“ Grundsätzlich sollten nach Meinung von NRW-Grünen-Chef Lehmann Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft die Betriebserlaubnis entzogen werden, wenn sie Menschenrechte wie das Recht auf Erste Hilfe ablehnten. „Es ist ein Skandal, dass solche Einrichtungen überhaupt mit staatlichen Geldern betrieben werden.“

Quelle: WDR.de

Das kann ich nur unterschreiben!