Das war 2006

Geschrieben am 15. Dezember 2006

Und schon wieder ist ein Jahr rum. Naja, noch nicht ganz, aber ich passe mich als Vollintegrierter2.0Mensch an die Gepflogenheiten der Medien an, die gerade anfangen, alles mit Jahresrückblicken vollzupflastern. Dass ich überhaupt etwas von dem Rückblick-Hype mitbekommen habe, wundert mich dann doch, da ich weder über einen TV noch über Printmedien verfüge. Muss wohl auf der Arbeit gewesen sein, denn so Recht mag mir die Eingebung zu diesem Eintrag nicht mehr einfallen.

Ich werde diese Geschichte mit Eindrücken und Gedanken aus meinem Kopf füllen, zur Datierung wende ich mich an Mails, Fotos und Blogeinträge…

Januar

[inspic=73,left,fullscreen,thumb,:1]

An den Januar habe ich kaum noch Erinnerungen. Ich weiß, dass mein Thema zur Diplomarbeit schon feststand und ich häufig im Cafe saß, um mich in die Thematik einzulesen. Es war kalt und es lag eine zeitlang Schnee in Mainz. In der WG haben wir oft Skat oder Siedler gespielt und die langen Winterabende genossen. Schon damals waren wir in der 4er-WG eher zu dritt und mein Verhältnis zu meiner Mitbewohnerin war so frostig wie der Januar.

Februar

[inspic=74,right,fullscreen,thumb,:1]

Die Stimmung und Aktivitäten schleppten sich auch in den Februar rein. Ende Februar war dann ein großes Besäufnis angesagt: Rosenmontag. Angesteckt vom Trouble der Mitbewohner habe ich mich mitreißen lassen und bei eisigem Wind und strahlendem Sonnenschein Bonbons gefangen und gesoffen. Meine Diplomaktivitäten habe ich an die FH verlegt. Endlich keine Ablenkung mehr und am Server rumschrauben.

März

[inspic=75,left,fullscreen,thumb,:1]

Dann kam der Winter zurück. Eiskalt und mit voller Wucht. Fast die komplette erste Woche im März lag Mainz unter einer dicken Schneedecke. Ich habe mit Novotny-TV im Unterhaus in Mainz die Verleihung des deutschen Kleinkunst-Preises übertragen und vom einen auf den nächsten Moment war es überall weiß.

Nur 2 Wochen später saßen wir im T-Shirt auf dem Balkon, knalle Sonne schien uns ins Gesicht. Zwischendurch hatte auch noch der Andy Geburtstag. Ende März war ich dann wieder mit Novotny-TV unterwegs, diesmal zur Landtagswahl in Magdeburg.

April

[inspic=76,right,fullscreen,thumb,:1]

Im April kam dann endlich wieder Bewegung in die müden Knochen. Ich habe angefangen zu bloggen und war mit Claudia an der Mainspitze. Seit dem hat sich mein Leben umgekrempelt, gewandelt und teilweise einen neuen Weg eingeschlagen. Es war warm, man konnte schon auf dem Balkon sitzen und abends die Winterjacke zu Hause lassen. Die Aktivitäten verlagerten sich immer mehr nach draußen. So war ich zwei Mal auf der Luminale in Mainz, alles erleuchtet und wunderschön, Freitag und Sonntag. Dazwischen lag der Geburtstag meiner Schwester, ein kurzer Abstecher. 500 km in 24h mit dem Zug und eine Geburtstags-Party im Zeitloch.
Wir gingen am Rhein spazieren und grillten Ende April sogar auf unserem Balkon.

Mai

[inspic=77,left,fullscreen,thumb,:1]

Anfang Mai war es dann schon so warm, dass wir Abends am Rhein im T-Shirt sitzen konnten. Neue Freundeskreise hatten sich erschlossen, ich unternahm mit den unterschiedlichsten Leuten Dinge. Zu diesem Zeitpunkt manifestierte sich dann auch das, was Claudia später gerne die „Gäng“ nannte – und so was in der Art war es dann ja auch. Der Grundstein dafür wurde auf dem Volleyball-Mitternachtsturnier gelegt, auf dem Nils, Claudia und ich in einem Team spielten. Es war ein toller Abend. Das Ergebnis auf dem Turnier war zweitrangig, das zwischenmenschliche Ergebnis wog viel mehr. Der Abend endete wie so viele damals spät in der Nacht bei mir in der WG.

[inspic=78,right,fullscreen,thumb,:1]

Ich steckte tief in meinem Diplom, trotzdem nahm ich mir die Zeit für andere Aktivitäten. So lernte ich auch die Hobby-Mannschaft vom AHS kennen.

Mitte Mai dann der Super GAU: Der Rechner war hin. Und das mitten in der Diplomarbeit. Aber eine neue Festplatte hat dann ja wieder alles gerichtet.

Ende Mai habe ich dann mein erstes Turnier mit den Volleyballern gespielt, in Idstein.

Juni

[inspic=79,left,fullscreen,thumb,:1]

Der Mai ging nahtlos in den Juni über. Ich hatte nur noch 2 Wochen bis zur Abgabe meiner Diplomarbeit, aber da machte ich mir keinen Kopf drum, die war ja so gut wie in trockenen Tüchern.
Was mir vom Juni sehr deutlich in Erinnerung geblieben ist sind die vielen Balkon-Sessions. Eine davon besonders, weil davon so unendlich viele schöne Bilder existieren (siehe Foto).

Dann kam die Fußball-WM. Ich habe fast alle Spiele an anderen Orten gesehen. Half-Public-Viewing, in Kneipen, bei Freunden, draußen. Im Land war eine irre Hitze und Begeisterung, ein Sommermärchen halt.

Beachen wurde populär in meinem Freundeskreis. Immer wieder trafen wir uns am Rheinstrand, spielten uns die Seele aus dem Leib und den Ball immer wieder ins Wasser. Mein neuer Beachball kam zwar am Rheinstrand, aber auf andere Art und Weise ums Leben. Die Abende verbrachte ich immer wieder mit Freunden draußen, zumeist am Rhein oder im Hafengarten. Es war elektrisierend. Ständig Action, immer was los und nebenbei brachte ich meine Diplomarbeit zu Papier. Mitte Juni habe ich die dann abgegeben und sofort vergessen.

[inspic=80,right,fullscreen,thumb,:1]

Denn nur 2 Tage später stand das Breuberger Volleyball-Turnier auf Rasen auf dem Programm, da hinten im Odenwald. Das war der erste große Ausflug, den die „Gäng“ gemeinsam unternahm. Wir fuhren einen Tag früher los und übernachteten bei Nils‘ Mutter. Von dem Gefühl dieses Ausfluges, insbesondere des Abends dort, habe ich auch schon hier gesprochen. Die nächsten 2 Tage verbrachten wir unter Hunderten von anderen Volleyballern und in Pfützen voller Sonnenmilch. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Und nach dem Wochenende wusste ich, dass ich verliebt bin.

Dann war noch der Moe da, aus Österreich, den ich nie zuvor gesehen hatte. Wir kannten uns von einem Browser-Game und er beschloss, Leute aus seinem Spiel auf einer Interrailtour zu besuchen. Einen Monat lang war er unterwegs bei wildfremden Leuten. Er hat den vollen Querschnitt der Republik kennengelernt. 2 Nächte war er in Mainz und ich habe den Fremdenfährer gespielt.

Juli

Anfang Juli dann war ich erst mal bei meinen Eltern, um mich für mein Diplom feiern zu lassen. Ein paar entspannende Tage fern ab des Troubles in Mainz im Garten.

Und es ging weiter mit dem Beachen: An der Uni spielten wir mit der Gäng verstärkt durch Hanne ein Mixed-Turnier. Das Ende schlug Wellen, wahrscheinlich war einigen Außenstehenden der Platzregen nicht bekommen. Aber an kriselnden Situationen wächst eine Gruppe auch.

[inspic=81,left,fullscreen,thumb,:1]

Die WM-Spiele um Platz 3 und das Finale haben wir im Garten von Aimée auf Großbildleinwand geschaut, im kleinen Kreis mit Grill. Das Attribut Sommermärchen aus Sönkes Film zur WM passt völlig auf meine persönliche Sicht dieses Sommers.
Damit meine ich meine Gefühle, meinen Zustand, das Erlebte. Es ging so weiter, Abende im Hafengarten; auf meinem Balkon, in viel zu heißen Dachgeschosswohnungen, die Tage am Strand, im Sand, am Rhein. Und über allem schwirrte die Hitze der Stadt, machte die Menschen verrückt und sorgte dafür, dass es nicht auskühlte, noch nicht mal nachts.

[inspic=82,right,fullscreen,thumb,:1]

Und dann kam der Ausflug in den Odenwald. Vier sehr intensive Tage, zu viert mitten in der Pampa in einem riesigen Haus für uns alleine. Das Grundstück war noch größer. Wir haben über 2.400 Fotos in dieser Zeit verschossen, wie wir rumhängen, rumalbern, kochen, durch die Gegend fahren, tanzen, lachen, singen, schreien und klitschnass sind. Das war mein Urlaub in diesem Jahr. Mehr Urlaub ging nicht, mehr wollte ich nicht. Als wir wieder zu Hause waren, war ich nicht mehr alleine. Alles war rosa gefärbt, der Sommer noch lang und meine Zukunft ein großer, unförmiger Brocken, der in der Ecke lag und um Beachtung schrie.

Ende Juli spielten wir dann noch ein Hallen-Volleyballturnier in Elsenfeld. Auch schön, mal wieder wie die Teenies alle zusammen in einer Halle zu schlafen.

August

[inspic=83,left,fullscreen,thumb,:1]

Eigentlich könnte ich dasselbe schreiben wie schon im Juli, zumindest von der Stimmung her. Meine Gedanken flirrten in der heißen Luft und gebaren die Idee, zum WDR zu gehen. Alles noch sehr verschwommen, aber die Idee war da.

Ursprünglich wollte ich aufs Sziget-Festival nach Budapest/Ungarn, aber auf Grund der unklaren Situation bezüglich meiner Zukunft habe ich darauf verzichtet. Leider.

Als erstes aber im August feierte Aimée ihre Abschiedsparty und brach auf ins ferne Ungarn, nein, nicht nach Sziget, nach Szeged. Gleich am nächsten Tag waren wir auf dem Trebur Open-Air und ich sah mal wieder New Model Army.
Dann bekam ich auch noch eine digitale Spiegelreflex von einem Kumpel ausgeliehen. Ich habe im August so viele Fotos wie sonst in keinem Monat gemacht (OK, der Odenwald zählt nicht!). Dabei entstanden so Sachen wie die Vier auf der Couch.

[inspic=84,right,fullscreen,thumb,:1]

Nach den ganzen Querelen der WG hatten Andy und ich beschlossen, auszuziehen. Nun war es bald soweit und ich war schon fieberhaft auf der Suche nach einer Wohnung in Mainz, den WDR im Hinterkopf.

Renko stand dann auf einmal ohne Haare vor mir und wir feierten Heikos Geburtstag. Ende August hatte ich dann eine Wohnung in Mainz. Zum 1.10. hätte ich umziehen können.

September

[inspic=85,left,fullscreen,thumb,:1]

Doch dann wurde es mit Köln konkreter und mein neuer Vermieter erhielt eine Absage von mir. So saß ich dann da ohne Wohnung und auch ohne feste Zusage vom WDR. Ziemlich riskant.

Am ersten September feierten wir erstmal in der WG eine spontane Auszugsparty, auf der am Schluss sogar Gäste von der Straße aus dem Döner dabei waren.

Dann ging alles flott. Ich organisierte den Umzug so gut es ging, immer noch auf Verdacht.

Mitte September musste ich für Novotny TV arbeiten. Wir waren 14 Tage unterwegs, zuerst beim Papst in Altötting, danach 800 km quer durch die Republik nach Schwerin, die Landtagswahl übertragen.

[inspic=86,right,fullscreen,thumb,:1]

Es war anstrengend, aber verdammt cool. Und ich hab den Papst gesehen – live. War aber nicht sonderlich berauschend.
Als ich wieder zu Hause war, packte ich meinen Kram in Kartons und wartete auf die Zusage vom WDR, die dann auch endlich kam. Nur wo sollte ich hin? Ich entschied mich für die Zwischenmiet-Lösung, die dann wundersamer Weise perfekt klappte. Also habe ich meine Sachen erst mal zwischengelagert, um sie später zu holen. Ich habe dann noch ein Auszug-SitIn im leeren Zimmer gefeiert. Am nächsten Tag war Streichen angesagt und dann war ich auch schon in Köln.

Oktober

[inspic=87,left,fullscreen,thumb,:1]

Alles neu, alles anders und kein Internet. Ich musste erst am 10. mit der Arbeit anfangen, hatte also noch etwas Zeit, mich einzuleben und Köln kennen zu lernen. In dem Hotel war es ganz in Ordnung, hatte aber wie gesagt kein Netz, was die Wohnungssuche erschwerte. Deshalb ging ich zum ersten Mal in meinen Leben in Internetcafes. Ein paar Inder nebenan betrieben ein zusammengeschustertes Cafe, wo man als Gast an den Rechnern fast Admin-Rechte besaß. Ich hab dem Firefox an Rechner 7 ein Master-Passwort verpasst und kam zu User und Passwort von gmx-Konten (die waren schon vorher gespeichert). Ich sollte mal wieder vorbeischauen und alle anderen Daten einsammeln!

Ein Wochenende verbrachte ich bei meiner Schwester, an einem andern bekam ich Besuch von Renko und Jenny. Dann war ich auf einmal wieder Besitzer einer neuen Wohnung. Eigentlich ging es reibungslos und verdammt schnell, besonders für Kölner Verhältnisse.

[inspic=88,right,fullscreen,thumb,:1]

Trotzdem ging es mir in diesem Monat überhaupt nicht gut. Ich hielt viel Kontakt mit zurückgebliebenen Freunden und versuchte irgendwie, mit der Situation klar zu kommen. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt. Trotzdem fiel alles in dieser Phase über mir zusammen.

Naja, mit der neuen Bude ging es dann aufwärts. Am letzten Oktober-Wochenende war ich dann wieder in Mainz, um meinen Kram zu holen und bezog mit Hilfe meiner Freunde und Familie mein jetziges Domizil.

November

[inspic=89,left,fullscreen,thumb,:1]

Noch nicht so lange her, trotzdem erinnere ich mich eher an die Dinge, die im Oktober passierten. Ich habe mich natürlich erstmal meiner Wohnung gewidmet und festgestellt, dass ich jetzt viel mehr Platz habe und dementsprechend auch Möbel-technisch etwa passieren muss (Ich lebe aber immer noch mit Kartons im Zimmer). Anfang November hatte ich dann auch sehr schnell wieder Telefon und Internet. Auf der Arbeit wurde es konkreter und ich musste meine Arbeitszeiten verlegen. Nun fange ich jeden Tag erst um 12 Uhr an, das hat Vor- aber auch Nachteile.

Ich war auf einem Konzert von Eskobar. Sehr schön, in einem kleinen Raum, vielleicht 150 Leute, gemütlich und familiär.

Es ging immer noch nicht besser, also beschloss ich, das Heft in die Hand zu nehmen und den Kontakt zu Suchen. Ich bin nach Mainz gefahren, um mich von der Last zu befreien, die auf mir lag. Befreiend. Ich stieg in den Zug nach Köln zurück, am Bahnhof blieb einsam ein Sack Irrsinn zurück.

Den Rest des Novembers verbrachte ich mit mir in meiner Wohnung, auf der Arbeit und Spaziergängen in Wald. Ach ja, Ende November bin ich dann mit meinem Blog auf einen neuen Server gezogen. Seit dem hat auch Nils eine eigene Domain.

Dezember

[inspic=90,right,fullscreen,thumb,:1]

Freunde haben mich in Köln besucht, kurz vor meinem Geburtstag. Die Planung war schon länger im Gange und nun war es soweit. Ich fand es schön, mal wieder in (fast) alter Besetzung Dinge zu unternehmen, zu diskutieren und zu erzählen. Und natürlich Quatsch zu machen! Dann kam mein Geburtstag, ein Wochenende in Mainz und jetzt ist schon Weihnachten. Der Rest liegt im Nebel, so wie ich auf diesem Bild.

Kommentare bitte hier posten:
http://blog.janeidens.de/2006-12-21/rueckblick

Jan Eidens im Dezember 2006