2009 – Ein Rückblick

Januar. Ich komme von der Nordsee zurück und bin wieder allein. Es liegt Schnee, ziemlich viel und ziemlich lange. Mein Kopf blockiert, an bloggen ist nicht zu denken.

Februar. Nach langer Suche habe ich einen Schreibtisch gefunden, er macht sich gut in der neuen Wohnung. Wir richten uns weiter ein. Herr Reiter fesselt mich ans Bett. Öde Stunden im tristen Grau. Es schneit schon wieder.

März. Ich kann wieder arbeiten. Das Stadtarchiv stürzt ein. Krokusse auf dem Balkon geben einen ersten zaghaften Hinweis auf den Frühling. Ich fange an, ellenlange Mails nach Berlin zu schreiben.

April. Renko kommt gleich zwei Mal vorbei. Auf dem Geburtstag meiner Schwester schwärmen wir zu fünft vom Frankreichurlaub und fragen uns, wie das schon 6 Jahre her sein kann.

Mai. Ich fahre nach Berlin und fühle mich wohl. Das werde ich nun öfter tun. Dank der Feiertage habe ich Zeit. Die Sonne scheint wie wild. Wir unternehmen viel, erkunden mit unseren Kameras die Gegend. Ich bin tief beeindruckt von Beelitz Heilstätten.

Juni. Das Hochbett wird aufgebaut und im Zoo reißt das Flusspferd sein riesiges Maul auf. Es ist warm, es riecht nach Sommer. Freitags und Montags sitze ich oft im Zug.

Juli. Urlaub. 14 Tage faul am Strand rumliegen, Sonne, Erholung pur. Als ich wiederkomme, fahre ich ein letztes Mal nach Berlin.

August. Gleich zwei meiner ehemaligen Kommolitonen heiraten, ich spiele den Fotografen und frage mich, ob ich je heiraten werde. Es fällt mir schwer, mich von Berlin zu lösen. Die Tage schleppen sich dahin.

September. Ich bastel mir ein neues Design für meinen Blog und schreibe wieder viel mehr. Ein Brief erschüttert meine Zukunft. Wir kündigen unsere Wohnung. Der Herbst ist nicht in Sicht, ich laufe immer noch im T-Shirt herum. Ich stehe in einer verlassenen Kaserne und schieße Fotos.

Oktober. Ganz viel neue Musik strömt auf mich ein. Ich schreibe eine letzte Mail nach Berlin. Ich schmiede neue Pläne, suche nach Perspektiven, strecke meine Fühler aus nach Hamburg, Berlin und Mainz. Ich mache viele Spaziergänge, auf einmal habe ich so viel freie Zeit wie noch nie. Endlich schaffe ich es auf einen Besuch in den Süden, herrliche Tage im Herbst, um auf andere Gedanken zu kommen. Ich höhle einen Kürbis aus und stehe neben Vampiren an einer brennenden Tonne.

November. Gedanken ans Ausland kommen auf und verschwinden am Ende des Monats wieder. Ich werde hin und her gerissen, gehe auf eine Party, die mich träumen lässt. Unsere Nachmieter unterschreiben ihren Vertag. Der Anruf, dass ich Köln bleiben soll, kommt zu spät, um die Wohnung doch noch behalten zu können. Die Winterastern auf dem Balkon blühen, ich lasse zum ersten Mal in diesem Jahr einen Drachen steigen und gehe auf so viele Konzerte wie noch nie.

Dezember. Ich muss mir eine neue Wohnung suchen. Ich habe Geburtstag und lerne einen Tag später noch mehr neue Freunde kennen. Und auf einmal ist es da, dieses Kribbeln im Bauch. Es hat geschneit. Ich sitze auf einer Couch und sie nimmt all ihren Mut zusammen. Mir wird heiß und kalt und ich sage Ja. Weihnachten dauert dieses Jahr 5 Tage. Nachher gehe ich ins Stadion, Rheinfeiern.

Ein komisches Jahr, das in Trance anfing und erst langsam Fahrt aufnahm. Ein Sommer voller Reisen, ein Herbst voller Verwirrung und ein Winter wie eine Achterbahnfahrt mit glücklichem Ende. Selten habe ich mich zum Abschluss eines Jahres so gut gefühlt. Aber es fühlt sich nicht an wie Silvester. Es ist nur eine weitere Party auf der Welle, die ich reite. Könnte jetzt bitte auch noch ne Wohnung vom Himmel fallen?

Streicheleinheiten für das neue Jahrzehnt

So kann man schon mal ein Jahrzehnt ausklingen lassen:

Am 31.12. spielen Die Fantastischen Vier im Rheinenergiestadion mit dem Orchester, was auch beim “Heimspiel” im Juli in Stuttgart dabei war. Mit dabei ist auch wieder Clueso. Rheinfeiern!

Und dann am nächsten Tag gediegen nach Berlin fliegen für die Neujahrsrevue von Olli Schulz in der Volksbühne. Mit Gisbert zu Knyphausen, Niels Frevert, Max Herre, Der Hund Marie, Heike Makatsch, Elke Brauweiler und Stephanie von Beauvais. Hach, genial.

“Mit Streichern und Streicheleinheiten für die Seele in ein neues Jahrzehnt.”

Ich freu mich tierisch.

Große Bilder von den Riesen

Die Riesen in Berlin. Das Straßentheater Royal de Luxe hat am 3. Oktober mit der kleinen Riesin und dem Tiefseetaucher für ein Spektakel sondergleichens gesorgt. Da wär ich gern dabei gewesen, hätt ich gern gesehen.
Aber zum Glück gibt es Menschen, die einem davon erzählen können. Und für visuelle Impressionen obendrauf gibt es das “große Bild”. The Boston Big Picture. Tolle Bilder von den Schauplätzen dieser Welt. Beeindruckend.

Die Riesen in Berlin - COPYRIGHT AP

Mehr Bilder von den Riesen in Berlin gibt es beim Boston Big Picture: http://www.boston.com/bigpicture/2009/10/the_berlin_reunion.html

Aber auch alle anderen Galerien lohnen sich. Die professionellen Fotoreportagen bieten mit knapp 1.000 Pixel Breite pro Foto eine unglaubliche Intensität. Ansehen! http://www.boston.com/bigpicture/

Und wo ich gerade dabei bin, kann ich auch gleich noch eine weitere Foto-Seite anpreisen, die ich täglich besuche: das Photo Journal vom Wall Street Journal mit den “Pictures of the Day”. Unbedingt einen Klick wert.

Teures Auto

Ich bin es von Europcar gewohnt, dass die Autos Dellen und Kratzer haben. Wenns nen neuen Kratzer gibt (ist mir bisher nicht passiert), wird der halt eingetragen. Passt schon. Und irgendwann ist das Auto dann fällig zur Lackierung, Europcar macht das auf eigene Rechnung. Ich habe noch nie gehört, dass jemand wegen eines kleinen Kratzers im Lack zur Kasse gebeten wurde.

Vor einigen Wochen habe ich bei Starcar einen Smart gemietet, für sensationelle 20 Euro pro Tag. Aber wie das bei den Discountern so ist, steckt der Wurm im Kleingedruckten. Eine Selbstkostenbeteiligung von 2.000 Euro ist nicht gerade wenig. Und so kam es, dass bei Rückgabe doch tatsächlich ein vorher nicht eingetragener Kratzer bemerkt wurde, etwa 2 cm lang auf der Kofferraumklappe. Ich kann nicht sagen, ob der vorher schon da war. Das Auto wurde zwar vorgeführt und die Mängel aufgezeigt, aber ich habe (auch weil ich es von Europcar so gewohnt war) nur grob hingeschaut. Der Kratzer wurde dann eingetragen, ich würde von denen hören.

Und am Freitag dann kam die Rechnung. 234,81 Euro soll ich zahlen für eine neue Lackierung der Heckklappe.

Rechne ich die Miete, den Sprit und das Knöllchen dazu, haben die 3 Tage stolze 370 Euro gekostet. Mist.

Beelitz Heilstätten


Von 1898 bis 1930 baute die Landesversicherungsanstalt Berlin einen großen Krankenhaus-Komplex in Beelitz, südwestlich von Potsdam gelegen. Zu seiner Blütezeit verfügte der Komplex über 1.200 Betten, 2 Sanatorien (eins für Männer, eins für Frauen), 2 Lungenheilstätten, einer Chirurgie und ein eigenes Heizkraftwerk. In den Weltkriegen wurden die Gebäude als Militärhospital genutzt, nach 1945 zog die sowjetische Armee ein, errichtete militärisches Sperrgebiet und nutze das Hospital selbst. 1994 zogen die Russen ab. Seitdem stehen die Gebäude leer, einige wurden saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Das meiste aber ist dem Verfall überlassen, unter anderem, weil das Geld zur Sanierung fehlt. Die Natur holt sich langsam alles zurück. Und so ist Beelitz Heilstätten heute ein Mekka für Profi- und Hobbyfotografen, Sprayer, Satanisten und Schaulustige.

Wir waren einen ganzen Tag dort und haben doch nicht alles sehen können. Am Ende waren wir erschlagen von den Eindrücken. Es war unglaublich spannend, durch all die verfallenen, heruntergekommenen und abbruchreifen Häsuer zu streifen, hinter die Türen zu schauen, durch Dachböden zu kraxeln, riesige Hallen zu entdecken, endlose Flure zu begehen und sich in den riesigen Komplexen zu verlaufen. Man läuft durch drei verwinkelte Räume, alles ziemlich dunkel, nass und morsch und steht auf einmal in einem Kinosaal. Keller voller Gerümpel, eine gekachelte Halle mit einem Seziertisch, aber meist nur leere Zimmer, in denen die Farbe von den Wänden blättert. Hin und wieder hängt noch ein Vorhang, liegt ein alter Kühlschrank herum, steht da eine Vitrine, aber sonst sind fast alle Einrichtungsgegenstände entfernt worden. Bäume wachsen auf den Dächern der einen Lungenheilstätte, die Natur  bahnt sich überall den Weg…

Wir wollen auf jeden Fall noch einmal hin, dann mit noch mehr Zeit im Gepäck und der Muße, Fotos besser zu gestalten und nicht wie angestachelte Touristen von einem Haus ins nächste zu jagen.

Trotzdem kann sich die Ausbeute in meiner Galerie sehen lassen.

Mehr Infos gibt es hier: www.heilstaetten.beelitz-online.de

Kohlendioxid

Radiohead hat mir gerade eine Mail geschrieben. SIe wollen wissen, von wo aus und mit welchen Verkehrsmitteln ich zu ihrem Konzert gekommen bin. Eine Bahnfahrt, 588 km einfache Strecke, kommt auf das folgende Ergebnis:

Radiohead Carbon Calculator 1217277491859

Puuh. So viel? Gut, dass ich nicht geflogen bin.
Auch sehr schön: Auf der Seite kann man sich auch Umweltdaten des Konzerts ansehen. Zwar nicht die CO2-Belastung, dafür aber andere Umstände:

Energy: All stage power was run from the venue main electrical supply.

Recycling: The promoter setup glass, plastic, paper and organic recycling for the backstage and catering area.

Catering: Caterers provided washable plates, cutlery, and reusable mugs for all meals. As with almost all of our shows, water coolers were provided for use with our refillable water bottles.

Other green initiatives/issues: All audience cups were reusable.

Auch wenn es keiner mitbekommt, hier macht sich jemand Gedanken (und zeigt es zumindest hartgesottenen Fans, die sich da durchklicken).

Dafür, dass ich mitgemacht habe, darf ich mir einen Live-Song runterladen, den die Band auswählt. :)

Radiohead

In Berlin habe ich Radiohead gesehen. Endlich. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, stehen Radiohead doch schon seit Jahren auf meiner Must-See-Liste. Es war großartig. Knappe zwei Stunden, Openair mit kurzen Schauern, und sie haben das ganze Repertoire gespielt. Ich habe mich mit einer Norwegerin unterhalten, die ein paar Wochen vorher das Radioheadkonzert in Barcelona gesehen hat, dort stand das Publikum nur blöd rum und die Band hat einmal das neue Album zum besten gegeben inkl. zwei anderer Songs. Da freu ich mich doch, in Berlin gewesen zu sein!

Waldbühne


Readiohead