Sommer

Das grüne Gras, getränk vom Regen der letzten Wochen, ist enorm gewachsen. Weich wie in einem Bett liege ich da und blicke erst in den stahlblauen Himmel, dann in Deine braungrünen Augen. Auf einmal ist er da, der Sommer. Die Sonne schickt ihre Wärme, sie durchströmt uns. Dein Lächeln leuchtet.

Ich trete hinaus auf die Straße, es ist dunkel. Doch die Wärme des Tages hat es in die Nacht geschafft. Ich schwinge mich auf mein Fahrrad, lege den Soundtrack meiner Liebe auf und genieße im Fahrtwind die Luft. Der Duft einer lauen Nacht. Es ist die erste in diesem Jahr, die nach Sommer riecht. Meine Gedanken sind bei Dir, begleiten Dich in Deinen Schlaf, träumen von Dir.

Ich freue mich auf das, was kommt.

Best of

Da oben in der Hauptnavigation hat sich zwischen Archiv und Impressum ein neuer Link gequetscht: Best of. Ich hab vorhin mal angefangen, diejenigen Artikel und Bilder herauszusuchen, die ich für vorzeigefähig halte. Ein “Best of JanBob blogt” halt.
Viel Spaß beim Stöbern in dem (meist) alten Kram.

2009 – Ein Rückblick

Januar. Ich komme von der Nordsee zurück und bin wieder allein. Es liegt Schnee, ziemlich viel und ziemlich lange. Mein Kopf blockiert, an bloggen ist nicht zu denken.

Februar. Nach langer Suche habe ich einen Schreibtisch gefunden, er macht sich gut in der neuen Wohnung. Wir richten uns weiter ein. Herr Reiter fesselt mich ans Bett. Öde Stunden im tristen Grau. Es schneit schon wieder.

März. Ich kann wieder arbeiten. Das Stadtarchiv stürzt ein. Krokusse auf dem Balkon geben einen ersten zaghaften Hinweis auf den Frühling. Ich fange an, ellenlange Mails nach Berlin zu schreiben.

April. Renko kommt gleich zwei Mal vorbei. Auf dem Geburtstag meiner Schwester schwärmen wir zu fünft vom Frankreichurlaub und fragen uns, wie das schon 6 Jahre her sein kann.

Mai. Ich fahre nach Berlin und fühle mich wohl. Das werde ich nun öfter tun. Dank der Feiertage habe ich Zeit. Die Sonne scheint wie wild. Wir unternehmen viel, erkunden mit unseren Kameras die Gegend. Ich bin tief beeindruckt von Beelitz Heilstätten.

Juni. Das Hochbett wird aufgebaut und im Zoo reißt das Flusspferd sein riesiges Maul auf. Es ist warm, es riecht nach Sommer. Freitags und Montags sitze ich oft im Zug.

Juli. Urlaub. 14 Tage faul am Strand rumliegen, Sonne, Erholung pur. Als ich wiederkomme, fahre ich ein letztes Mal nach Berlin.

August. Gleich zwei meiner ehemaligen Kommolitonen heiraten, ich spiele den Fotografen und frage mich, ob ich je heiraten werde. Es fällt mir schwer, mich von Berlin zu lösen. Die Tage schleppen sich dahin.

September. Ich bastel mir ein neues Design für meinen Blog und schreibe wieder viel mehr. Ein Brief erschüttert meine Zukunft. Wir kündigen unsere Wohnung. Der Herbst ist nicht in Sicht, ich laufe immer noch im T-Shirt herum. Ich stehe in einer verlassenen Kaserne und schieße Fotos.

Oktober. Ganz viel neue Musik strömt auf mich ein. Ich schreibe eine letzte Mail nach Berlin. Ich schmiede neue Pläne, suche nach Perspektiven, strecke meine Fühler aus nach Hamburg, Berlin und Mainz. Ich mache viele Spaziergänge, auf einmal habe ich so viel freie Zeit wie noch nie. Endlich schaffe ich es auf einen Besuch in den Süden, herrliche Tage im Herbst, um auf andere Gedanken zu kommen. Ich höhle einen Kürbis aus und stehe neben Vampiren an einer brennenden Tonne.

November. Gedanken ans Ausland kommen auf und verschwinden am Ende des Monats wieder. Ich werde hin und her gerissen, gehe auf eine Party, die mich träumen lässt. Unsere Nachmieter unterschreiben ihren Vertag. Der Anruf, dass ich Köln bleiben soll, kommt zu spät, um die Wohnung doch noch behalten zu können. Die Winterastern auf dem Balkon blühen, ich lasse zum ersten Mal in diesem Jahr einen Drachen steigen und gehe auf so viele Konzerte wie noch nie.

Dezember. Ich muss mir eine neue Wohnung suchen. Ich habe Geburtstag und lerne einen Tag später noch mehr neue Freunde kennen. Und auf einmal ist es da, dieses Kribbeln im Bauch. Es hat geschneit. Ich sitze auf einer Couch und sie nimmt all ihren Mut zusammen. Mir wird heiß und kalt und ich sage Ja. Weihnachten dauert dieses Jahr 5 Tage. Nachher gehe ich ins Stadion, Rheinfeiern.

Ein komisches Jahr, das in Trance anfing und erst langsam Fahrt aufnahm. Ein Sommer voller Reisen, ein Herbst voller Verwirrung und ein Winter wie eine Achterbahnfahrt mit glücklichem Ende. Selten habe ich mich zum Abschluss eines Jahres so gut gefühlt. Aber es fühlt sich nicht an wie Silvester. Es ist nur eine weitere Party auf der Welle, die ich reite. Könnte jetzt bitte auch noch ne Wohnung vom Himmel fallen?

Wieder zu Hause

Schreiben, weil ich das Gefühl habe, schreiben zu wollen. Ja, schreiben zu müssen. Es will raus. So wie man im Wald steht und schreien möchte. Aus Freude, aus Angst, aus Lust. Laut, damit jeder einen hört. Und doch ist keiner da. Das macht vielleicht auch den Reiz aus. Hier aber sind viele, schauen und lesen. Und das hemmt. Trotzdem will ich schreiben.

Auf dem langen Weg nach Hause, mit Zeit im Gepäck, um zu rekapitulieren, nachzudenken, den Gedanken freien Lauf zu lassen und sie wieder einzufangen, einen Fuß vor den anderen setzen. Ich habe schreien wollen, aber nach über sechs Stunden reden, erzählen und lachen ist die Stimme angekratzt, das Bier brennt noch in der Kehle, die Zigarette schmeckt nicht mehr. Aber das Lächeln bleibt. Meins im Gesicht und Deins auf den Bildern im Kopf.

Schreiben, weil ich das Gefühl habe, schreiben zu wollen…

Weiter

Es dreht sich. Der Wind kommt mittlerweile aus allen Richtungen. Pessimisten würden sagen, der Arme hat nur noch Gegenwind. Ich sage, ich habe nur noch Rückenwind. Egal, in welche Richtung ich schaue, ich habe den Wind im Rücken, kann mich zurücklehnen, anlehnen. Jeder Weg fühlt sich irgendwie richtig an.
Aber der Wind ist nicht warm, er ist schneidig und kalt. Egal, welchen Weg ich nehmen werde, es wird nicht leicht sein, mein Leben in diese Richtung zu delegieren. Mit jedem Tag tun sich mehr Möglichkeiten auf und werfen mich in eine andere Richtung. Bleib ich, geh ich? Und wohin? Es stellt sich keine Euphorie ein, dazu ist meine Zukunft einfach zu ungewiss. Aber ich spüre, dass ich lebe. Und das sehr deutlich. Blockaden haben sich aufgelöst oder werden kleiner, neue tun sich auf. Es dreht sich. Weiter.

Von Drachen und Stromschnellen

Drache

Der erste, kräftige Herbstwind ist da. Er hat die Wolken weggepustet, die Sonne scheint zum ersten Mal seit Tagen wieder. Es ist trotzdem diesig, man kann nicht sehr weit gucken.
Ich stehe am Ufer des Flusses und lehne mich gegen den Wind. Es ist kalt, und der Wind spielt mit meiner Kapuze, zerrt an meiner Hose und Jacke. Die Bäume rascheln, obwohl sie kaum noch Blätter tragen. Weiter hinten sehe ich einen Straßenfeger, der langsam einen Laubhaufen zusammenkehrt. Immer wieder fährt der Wind hinein, stößt die Blätter auseinander, wirbelt sie herum. Es scheint ihm nichts auszumachen, er kehrt mit stoischer Ruhe weiter, so wie Beppo.
Auf der anderen Seite des Flusses, auf den noch grünen Wiesen, lassen Kinder ihre Drachen steigen. Sie lachen, laufen umher, ihre bunten Schals flattern im Wind wie die langen Schwänze ihrer Drachen am Himmel. Ich würde gerne auch da drüben stehen, eine Schnur in der Hand halten und hinaufblinzeln in den blauen Himmel, wo mein Drachen schwebt.
Eine kleine Wolke zieht vorbei, verdeckt kurz die Sonne. Und sofort spüre ich wieder die Kälte des Windes, die Vorboten des herannahenden Winters. Ich schaue auf das krause Wasser, auf die unzähligen kleinen Wellen, die glitzernd die Sonne reflektieren. Es sieht aus, als würde es schneller als sonst fließen.
Wie oft habe ich schon hier gestanden und auf das Wasser geschaut? Der Fluss hat eine beruhigende Wirkung. Und doch steht er für Veränderung, sieht immer anders aus, wenn ich komme. Wie oft werde ich wohl noch hier herkommen? Es geht weiter, so wie dieser Fluss auch immer fließen wird, wird auch mein Weg weitergehen. Aber im Moment macht mein Fluss eine Biegung, verzweigt sich, durchläuft Stromschnellen mit geringer Wassertiefe. Ich muss vorsichtig navigieren, die nächsten Schritte müssen wohl überlegt sein. Die Seitenarme könnten mich ganz woanders hinbringen. Sollte ich diesen oder jenen dort nehmen? Führt der hier ans Meer? Und dieser? Verlässt er Deutschland? Dreht jener sich im Kreis? Und wohin führt der Fluss dort? Der sieht aber nett aus!

So stehe ich am Ufer und schaue aufs Wasser, am nahen Horizont wieder einmal nur Nebel. Ich weiß, es wird nicht weiter geradeaus gehen. Ich spüre Angst und Freude, bin aufgeregt und neugierig. Ich werde mir noch etwas Zeit lassen mit einer Entscheidung. Nur eins spüre ich: Ich werde nicht kentern. Ich vertraue auf meinen Fluss, er hat mich noch nie enttäuscht.
Wenn ich später irgendwann einmal wieder hier stehen sollte, den Wind im Rücken, die Sonne auf der Nase und Musik im Ohr, dann werde ich sagen können, es war richtig so.

Wer kommt mit, Drachen steigen lassen?

So seltsam durch die Nacht

Es ist warm, als ich mit meinem Kaffee auf den Balkon trete. Dunkelblaugraue Wolken lassen das Laub und die verblassenden Farben des Herbstes leuchten. Der Baum gegenüber trägt nur noch wenige, knallgelbe Blätter. Als hätte jemand seinen Pinsel am schwarzen Stamm ausgeschlagen. Kein Wind ist da, um mit den Farbklecksen zu spielen. Nichts bewegt sich. Das Klicken des Feuerzeugs ist das einzige Geräusch, was an diesem wattierten Sonntag an mein Ohr dringt. Der Rest ist Stille.
Doch die Stimmen der Nacht überschlagen sich, Bilder kommen Tausendfach wieder, Erinnerungen geben sich die Klinke in die Hand. Zigaretten, Alkohol, Musik. Dein Lachen. Versunken im weißen Sofa hast Du mir die Stöpsel ins Ohr gedrückt und mich für ein paar Takte ins Niemansland meiner Gedanken geworfen und aprubt wieder an die Oberfläche gerissen. Braune Augen grinsen, Hände vor dem Gesicht, ich beiß mir auf die Lippe. Gespräche, Gedanken, in Fetzen oder im Ganzen, Ewigkeit im kurzen Moment versteckt. Ein paar Monate vorher wäre es schon hell gewesen, als wir die Welt da draußen betraten und noch ein paar Minuten den Weg nach Hause teilten. Kühle Luft umwehte uns. Durchatmen, runterkommen, Widersehen sagen und es auch meinen. So wunderbar seltsam durch die Nacht.