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Tom hat ein Problem. Alle seine Freunde sind Superhelden. Und so auch seine Freundin, Die Perfektionistin. Auf der Hochzeit von Tom und Perf kommt es zum Eklat, ihr Ex-Freund Der Hypnotiseur hypnotisiert die Perfektionistin, so dass sie Tom nicht mehr sehen kann. Sie glaubt, er ist abgehauen. Tom unternimmt alles, um auf sich aufmerksam zu machen, aber er scheitert. Nach 6 Monaten ohne Tom beschließt Perf, ein neues Leben in Vancouver anzufangen. Tom bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Zauber doch noch aufzuheben.
Andrew Kaufman schildert in seinem ersten Roman (eigentlich ist es kein Roman, es sind nur 108 sehr groß bedruckte Seiten) die letzte Chance von Tom, sich gegenüber Perf bemerkbar zu machen. Durchtränkt wird die Geschichte von Rückblicken und kleinen Anekdoten, die einem das Herz erwärmen. Wie sich Perf und Tom kennengelernt haben, was es alles für andere Superhelden gibt und womit sie sich rumschlagen, wie die Beziehung zu einer Superheldin funktioniert, was ein Herzreperaturservice anrichten kann…
Kaufman schafft es, dass man von einem Hochgefühl in ein tiefes Tal stürzt und umgekehrt. Man möchte ständig “Och, wie süüüß!” rufen und jedem daraus vorlesen.
Letztlich sind wir nach Kaufmans Definition alle Superhelden. Da wäre zum Beispiel Der Couchsurfer, der immer auf den Sofas anderer lebt, nie Geld, aber immer Zigaretten hat. Oder Fallgirl, die immer und überall herunter fällt. Faultier hat die Superfähigkeit, ganz beherzt “Scheiß drauf” zu sagen und dümpelt vor sich hin. Das Stresshäschen saugt jedweden Stress im Umkreis von 15 Metern auf und wird daher sehr gerne zu Picknicks und Partys eingeladen. Das Buch ist voll von Superhelden, die ihre Macken zu Superkräften umfunktioniert haben. Man muss sich nur darauf einlassen, dann lässt es sich viel besser damit leben.
Das Buch singt das Hohelied der Liebe, jeder Satz ist eine Offenbarung. Es lohnt sich, lange darüber nachzudenken und sich zu überlegen, was man selber für Superkräfte hat.
Schade aber, dass es nur eine große Tasse Tee dauert, bis man es durchgelesen hat. Aber man kann es ja gleich noch mal lesen. Oder man hat jemanden, dem man es eingekuschelt in ein warmes Bett vorlesen kann.
Geschrieben am Freitag, 18. Dezember 2009 und einsortiert unter Leben, Lesen

“Erweiterte Realität” kennen wir aus Filmen, wenn Kampfjet-Piloten über Head-Up-Displays Zusatzinformationen wie Höhenmesser, Ziele und andere Daten auf den Helm projiziert bekommen.
Wie die Zukunft Gegenwart der augmented Reality aussieht, wenn die virtuelle Netzwelt mit der realen Welt verknüpft wird, beschreibt dieser Spiegel-Artikel sehr eindrucksvoll. Derzeit benötigt man noch Smartphones (iPhone, HTC, etc) dazu, aber schon bald könnte es neue Projektionsmöglichkeiten wie Kontaktlinsen geben. Und das ist nur die Spitze eines Eisberges, den wir noch gar nicht richtig erfassen können. Denn daraus ergeben sich wiederum so viele Möglichkeiten, darüber möchte ich eigentlich gar nicht nachdenken…
Geschrieben am Samstag, 21. November 2009 und einsortiert unter Gedanken, Internet, Leben, Lesen


Juchuh, die Terrorgefahr ist wieder da! Mit Maschinenpistolen verteidigt der Staat uns Bürger gegen den Terror.
Wir leben in einem Zustand permanenter Angst, der von Zeit zu Zeit wieder aufgefrischt werden will. Wir müssen man wieder latente Panik spüren.
Denn wir müssen doch die ganze Videoüberwachung, noch mehr Sicherheitskontrollen, die verfassungsrechtlichen Eingriffe ins Grundgesetz, Internet-Zensuren und -Kontrollen, die toten Soldaten im Afghanistan-Krieg und den ganzen Krempel rechtfertigen, der da über uns ergeht.
Außerdem ist doch bald Wahl. Und da käme doch eine diffuse Bedrohung von außen mal wieder ganz recht, damit wir abgelenkt werden von der Tatsache, dass SPD und CDU keinen Wahlkampf machen.
Und wie die Lämmer auf der Schlachtbank trotten wir hinterher, eingeschüchtert und verängstigt lassen wir uns komplett durchleuchten. Denn wer von uns hat schon was zu verbergen? Verdächtig ist doch nur, wer das nicht gutheißen kann oder sich sogar dagegen widersetzt.
Wir brauchen innere Sicherheit für unsere Freiheit, schreit der Staat. Freiheit kommt nur durch Sicherheit, und die funktioniert nur über Kontrolle. Kontrolle hat der Staat leider nur, wenn er alles über seine Bürger weiß. Das geht durch Payback-Karten, biometrische Daten im Pass, die Gesundheitskarte für den gläsernen Patienten, die neue Steuernummer, Handyortung, Bundestrojaner und Internetzensur, RFID-Chips, Vorratsdatenspeicherung, Mautstellen, eine Armada von Überwachungskameras und den Abbau der Bürgerrechte.
Hat auch nur irgendeine dieser Maßnahmen dazu geführt, dass die Kofferbomber von Köln keinen Erfolg gehabt hätten, wären sie selbst nicht zu blöd gewesen?!
Was für ein Bullshit wird hier eigentlich gerade gespielt? Was zum Henker geht da ab?!

Wer sich gerade ähnliches fragt, dem lege ich das neue Buch von Ilija Trojanow und Juli Zeh ans Herz: Angriff auf die Freiheit. Kaufen. Lesen!
“Wir sind dabei, unsere persönliche Freiheit gegen ein fadenscheiniges Versprechen von ‘Sicherheit’ einzutauschen. Ein autoritärer Staat kann jeden Protest im Keim ersticken, mit Hilfe von Gesetzen, die heute verabschiedet werden, um uns angeblich zu schützen. Wehren Sie sich. Noch ist es nicht zu spät.”
Geschrieben am Samstag, 19. September 2009 und einsortiert unter Gedanken, Internet, Leben, Lesen, Politik

Heute Mittag angefangen und gerade zugeklappt (sind nur 160 Seiten):

Als ich gerade ein wenig im Internet über das Buch las, wurde mir schlagartig klar, dass es die Vorlage zum Film Sonnenallee ist. Ewig her, dass ich den Film gesehen habe, und so habe ich auch im Buch nicht den Film wieder herstellen können.
Von Brussig habe ich schon “Helden wie wir” am Strand gelesen bzw draus vorgelesen bekommen. Es war zum Schießen komisch. Ähnlich, wenn auch feiner, ist der Humor “Am kürzeren Ende der Sonnenallee”. Auf den wenigen Seiten wird es nicht langweilig, die Geschichte ist packend. Leider zeitlich ein wenig verwirrend, da man nicht weiß, in was für einem Zeitraum es sich abspielt, aber das tut keinen Abbruch.
Der junge Micha wächst mit Freunden und Familie in Ost-Berlin an der Grenze auf, eine eingeschworene Gemeinde an der Sonnenallee, die bei der Aufteilung von Berlin einfach durchgeschnitten wurde. Der Leser taucht ein in Sex Drugs and Rock’n'roll der DDR, erlebt Revolutionäre, Regimetreue und allerhand kuriose Geschichten rund um den Grenzübergang und das Leben in der Zone. Daneben durchzieht das Buch die Liebesgeschichte zwischen Micha und Miriam, die von Westlern knutschen gelernt hat.
Sehr schön hat mir das Ende gefallen, in dem Brussig offen lässt, ob sich alles so zugetragen hat. Denn je mehr Abstand der Mensch zwischen sich und dem Erlebten legt, desto mehr verschwimmt alles und über das, was mal als scharf und einschneidend empfunden wurde, legt sich der weiche Schleier der Nostalgie.
Glückliche Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis und reiche Erinnerungen.
Herrliches Schluss-Zitat
Geschrieben am Mittwoch, 14. Februar 2007 und einsortiert unter Lesen

Kurz vor Weihnachten gelesen:

Auf den ersten Blick und laut Klappentext ein Roman über ein Internat irgendwo in England. Doch die Kinder hier sind etwas Besonderes. Kazuo Ishiguro (Was vom Tage übrig blieb) erzählt aus der Sicht der fast 30-jährigen Kathy, die zurückblickt auf ihre Jugend, ihre Tage im Internat Hailsham und das, was danach kam.
Ishiguro lässt den Leser lange im Unklaren, ebenso wie die Protagonisten in ihren jungen Jahren, die nichts über ihre Bestimmung wissen. Nach und nach setzt sich ein Bild zusammen, bedrückend, eine Zukunftsvision trotz Gegenwartshandlung. Man möchte aufschreien und eingreifen, den Kindern zur Rebellion verhelfen. Als aufgeklärter Mensch fragt man sich, warum die Protagonisten nichts unternehmen, man muss mit ansehen, wie sie sich ihrem Schicksal fügen. Doch Ishiguro versteht es, dem Leser die Hilflosigkeit und Verwirrtheit zu erklären, die durch fehlende Aufklärung und das autoritäre Hailsham entsteht.
Ishiguro hat einen literarischen Schreibstil, wie ich ihn noch nicht gelesen habe. Es macht Freude zu erleben, wie er den Leser tiefer in die Geschichte zieht und er fast in einem Nebensatz die Bombe platzen lässt, die Ahnung bestätigt, die man schon nach den ersten paar Seiten in sich trägt. Er schafft eine Atmosphäre, die genau in das Bild der Erzählung passt. Ich habe mich darin verloren und die Zeilen genossen, während ich sie verschlang.
Eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.
Geschrieben am Donnerstag, 28. Dezember 2006 und einsortiert unter Gedanken, Lesen

Dieser Tage wird man zugemüllt mit Jahres-Rückblicken aller Art. Hier ist meiner:
http://blog.janeidens.de/das-war-2006
Geschrieben am Donnerstag, 21. Dezember 2006 und einsortiert unter Fahr Rad, Fotos, Gedanken, Geschreibsel, Internet, Köln, Leben, Lesen, Mainz, Musik, Volleyball, WG-Leben

Ich habs angekündigt… Und ich war heut nicht beim Kiosk.

Nachtrag: Ich hab ihn… Aber sonderlich spannend ist das Interview nicht gewesen.
Größtenteils ist es das Propaganda-Gewäsch, was man schon kennt, Aust & Co agieren zu passiv, schließlich ist er immer noch ein Präsi. Und was mir wieder besonders aufgefallen ist und was ich grundsätzlich nicht am Spiegel mag, sind die total aus dem Kontext gerissenen sinnentleerten Bildunterschriften. Unter einem Foto von ihm steht <>… Buäh!
Danach habe ich mir erstmal die beigelegte Werbebroschüre von Canon zu Gemüte geführt und festgestellt, dass meine geliebte Powershot G-Reihe aus dem Sortiment geflogen ist… Der Nachfolger ist fast Baugleich mit der G6 und nennt sich S3… Suuuper!
Geschrieben am Montag, 29. Mai 2006 und einsortiert unter Lesen

Und dann war da noch die Tatsache, dass der Präsident der Cologne Conference, Stefan Aust, nicht bei der Cologne Conference war. Der Grund dafür dürfte die Sensation der kommenden “Spiegel”-Ausgabe werden. Aust weilt nämlich derzeit in Teheran und führt ein Interview. Hat Herr Ahmadinedschad eigentlich jemals einem westlichen Medium ein Interview gegeben?
Ich findet mich Montagmorgen beim Zeitungsstand!
Quelle: popkulturjunkie.de
Geschrieben am Freitag, 26. Mai 2006 und einsortiert unter Leben, Lesen

So eben zugeklappt: “Adler und Engel” von Juli Zeh.
Nachdem ich ihr 2. Buch zuerst gelesen hatte (“Spieltrieb”) habe ich mich nun an ihr Erstlingswerk gemacht. Ich kann beide Bücher nur empfehlen, sehr gut! Ich mag den Leipziger Schreibstil, die Sprache und wie sie mit ihr spielt.
Eine sehr gute Rezension könnt ihr hier lesen:
http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/adlerundengel-r.htm (Die Erste von den Dreien)
Geschrieben am Donnerstag, 25. Mai 2006 und einsortiert unter Gedanken, Lesen
