The xx haben 6 Konzerte abgesagt, nachdem der Vater von Gitarristin und Sängerin Romy gestorben ist. Unter anderem das in Köln am kommenden Samstag, für das ich eine Karte habe. Ersatztermine gibt es bisher noch nicht. Schade. Ich hätt die gerne gesehen.
Geschrieben am Dienstag, 23. Februar 2010 und einsortiert unter Köln, Leben, Musik, Myspace
Januar. Ich komme von der Nordsee zurück und bin wieder allein. Es liegt Schnee, ziemlich viel und ziemlich lange. Mein Kopf blockiert, an bloggen ist nicht zu denken.
Februar. Nach langer Suche habe ich einen Schreibtisch gefunden, er macht sich gut in der neuen Wohnung. Wir richten uns weiter ein. Herr Reiter fesselt mich ans Bett. Öde Stunden im tristen Grau. Es schneit schon wieder.
März. Ich kann wieder arbeiten. Das Stadtarchiv stürzt ein. Krokusse auf dem Balkon geben einen ersten zaghaften Hinweis auf den Frühling. Ich fange an, ellenlange Mails nach Berlin zu schreiben.
April. Renko kommt gleich zwei Mal vorbei. Auf dem Geburtstag meiner Schwester schwärmen wir zu fünft vom Frankreichurlaub und fragen uns, wie das schon 6 Jahre her sein kann.
Mai. Ich fahre nach Berlin und fühle mich wohl. Das werde ich nun öfter tun. Dank der Feiertage habe ich Zeit. Die Sonne scheint wie wild. Wir unternehmen viel, erkunden mit unseren Kameras die Gegend. Ich bin tief beeindruckt von Beelitz Heilstätten.
Juni. Das Hochbett wird aufgebaut und im Zoo reißt das Flusspferd sein riesiges Maul auf. Es ist warm, es riecht nach Sommer. Freitags und Montags sitze ich oft im Zug.
Juli. Urlaub. 14 Tage faul am Strand rumliegen, Sonne, Erholung pur. Als ich wiederkomme, fahre ich ein letztes Mal nach Berlin.
August. Gleich zwei meiner ehemaligen Kommolitonen heiraten, ich spiele den Fotografen und frage mich, ob ich je heiraten werde. Es fällt mir schwer, mich von Berlin zu lösen. Die Tage schleppen sich dahin.
September. Ich bastel mir ein neues Design für meinen Blog und schreibe wieder viel mehr. Ein Brief erschüttert meine Zukunft. Wir kündigen unsere Wohnung. Der Herbst ist nicht in Sicht, ich laufe immer noch im T-Shirt herum. Ich stehe in einer verlassenen Kaserne und schieße Fotos.
Oktober. Ganz viel neue Musik strömt auf mich ein. Ich schreibe eine letzte Mail nach Berlin. Ich schmiede neue Pläne, suche nach Perspektiven, strecke meine Fühler aus nach Hamburg, Berlin und Mainz. Ich mache viele Spaziergänge, auf einmal habe ich so viel freie Zeit wie noch nie. Endlich schaffe ich es auf einen Besuch in den Süden, herrliche Tage im Herbst, um auf andere Gedanken zu kommen. Ich höhle einen Kürbis aus und stehe neben Vampiren an einer brennenden Tonne.
November. Gedanken ans Ausland kommen auf und verschwinden am Ende des Monats wieder. Ich werde hin und her gerissen, gehe auf eine Party, die mich träumen lässt. Unsere Nachmieter unterschreiben ihren Vertag. Der Anruf, dass ich Köln bleiben soll, kommt zu spät, um die Wohnung doch noch behalten zu können. Die Winterastern auf dem Balkon blühen, ich lasse zum ersten Mal in diesem Jahr einen Drachen steigen und gehe auf so viele Konzerte wie noch nie.
Dezember. Ich muss mir eine neue Wohnung suchen. Ich habe Geburtstag und lerne einen Tag später noch mehr neue Freunde kennen. Und auf einmal ist es da, dieses Kribbeln im Bauch. Es hat geschneit. Ich sitze auf einer Couch und sie nimmt all ihren Mut zusammen. Mir wird heiß und kalt und ich sage Ja. Weihnachten dauert dieses Jahr 5 Tage. Nachher gehe ich ins Stadion, Rheinfeiern.
Ein komisches Jahr, das in Trance anfing und erst langsam Fahrt aufnahm. Ein Sommer voller Reisen, ein Herbst voller Verwirrung und ein Winter wie eine Achterbahnfahrt mit glücklichem Ende. Selten habe ich mich zum Abschluss eines Jahres so gut gefühlt. Aber es fühlt sich nicht an wie Silvester. Es ist nur eine weitere Party auf der Welle, die ich reite. Könnte jetzt bitte auch noch ne Wohnung vom Himmel fallen?
Meine Top-Alben des Jahres 2009. Wer erkennt welche?
Besonders hervorheben aus diesem Patchwork möchte ich zwei Alben als “Platte des Jahres”.
Zum einen “Mumford & Sons” (2.v.o., 1.v.r.), die mit ihrem Debut-Album “Sigh no more” einen nie geglaubten Volltreffer mitten in meinen Musikgeschmack gelandet haben. 60er Jahre Folk-Rock, damit kann man mir doch nicht kommen. Aber das klingt dann doch anders, als es die Genre-Bezeichnung vermuten lässt. Eine verdammt gute Platte, die ich zwar erst seit ein paar Wochen kenne, die es aber wohl in meine Top 10 des Jahrzenhnts geschafft hätte – wenn es denn eine geben würde.
Und zum anderen The Rural Alberta Advantage (1.v.o., 1.v.l.). Die drei Kanadier haben sich mit ihrer Platte “Hometowns” (ebenfalls ein Debut) an die Spitze meiner Playlist gespielt. Im weitesten Sinne machen sie Indie-Rock, aber ebenso wie Mumford lassen sie sich nicht wirklich in eine Genre-Schublade pressen. Herrlich!
Ich könnte noch über viel mehr Alben schreiben, über Margot & The Nuclear So and So’s, über The XX, die ich im Februar live sehe, über meine Neuentdeckung Wintersleep, über Alberta Cross oder mal was ganz anderes, Moderat (Berliner Techno) z.B., aber ich habe schon zu lange über eine Top10 für 2009 oder sogar das ganze Jahrzehnt oder ähnliche Hitlisten nachgedacht, ich belasse es einfach mal dabei. Interessierten sei hier im Blog die Kategorie Musik ans Herz gelegt oder mein last.fm-Account.
Kurzentschlossen geh ich heute Abend zu William Fitzsimmons ins Gebäude 9. Der spielt zwar eigentlich erst morgen dort, aber da das Konzert relativ schnell ausverkuaft war, wurde noch ein Zusatzkonzert aus der Taufe gehoben. Mich freuts, denn so bekam ich noch ne Karte.
Es ist mehr oder weniger ein Schuss ins Blaue, eine Empfehlung vom Tobi. Ich kenne nur das, was er an Hörproben bei Myspace eingestellt hat. Aber das reicht schon, um mich zu begeistern. Last.fm schreibt: “Ein US-amerikanischer Singer/Songwriter aus Jacksonville, Illinois. Er bezeichnet sich selbst als ‘the melancholic but adorable adopted baby of Nick Drake, Sufjan Stevens, The Postal Service, and Iron & Wine’.”
Na, das hör ich mir doch gerne an! Und für 15 Euro nehm ich das Konzert noch grad mit (Ich war ja zuletzt echt selten auf Konzerten).
One day laser beams will cure my sight
Negative five, that’s pretty much blind,
I wanna see things, you know
Stare so deep into the laptop light
Sip your coffee and stare,
Like you got something to say
But you can’t say it cause it just ‘aint there anymore
The black premonition flexed in his mind
Conversed with absolute time,
And space
And time and space,
And time and space,
And nothing really matters anymore
You can’t say, don’t ever say it
It’s not tangible, it’s not even relevant
A warm hand, a short skirt
A soft blanket, a trusty appliance
A fifty-seven in mathematics and science
An oxygen mask
They stick it and they never come back
Never come back
Never come back anymore
Are you with me
Or am I wrong?
The silly old songs
Do they mean anything or am I just wrong
Am I just wrong
Am I just wrong
How did I ever get so god damn dumb
A foreign lick from a familiar tongue
It’s not one you love, but it’s familiar enough
Mouthful of teeth chewed up and spit on the ground
When I speak, I’m all words, just wide naked sound
Carelessly rendered and scattered around
Random, animal
Clumsily stitched together
Forever alien and forever altered
Floating in absolute time and space
And time and space
And time and space and nothing really matters anymore
Geschrieben am Donnerstag, 10. Dezember 2009 und einsortiert unter Leben, Musik, Myspace
So kann man schon mal ein Jahrzehnt ausklingen lassen:
Am 31.12. spielen Die Fantastischen Vier im Rheinenergiestadion mit dem Orchester, was auch beim “Heimspiel” im Juli in Stuttgart dabei war. Mit dabei ist auch wieder Clueso. Rheinfeiern!
Und dann am nächsten Tag gediegen nach Berlin fliegen für die Neujahrsrevue von Olli Schulz in der Volksbühne. Mit Gisbert zu Knyphausen, Niels Frevert, Max Herre, Der Hund Marie, Heike Makatsch, Elke Brauweiler und Stephanie von Beauvais. Hach, genial.
“Mit Streichern und Streicheleinheiten für die Seele in ein neues Jahrzehnt.”
Ein Proberaum, kein Publikum, wenig Licht, Liebe zum Detail, HD-Qualität und ein atemberaubender Sound – das ist die Konzertreihe “From the Basement“.
Nigel Godrich, der Produzent von Radiohead, lädt in schöner Regelmäßigkeit große und kleinere Namen zu sich in den Keller und produziert Sahnestückchen, die die Bands in einem sehr privaten Rahmen zeigen. Ohne die große Bühne, die kreischenden Fans, ohne Light- und Videoshow, ohne hippe Schnitte und rasante Kamerafahrten. Was übrig bleibt, sind Sternstunden der Musik.
Mittlerweile gibt es auf der Seite aus 38 Konzerten je 4 bis 5 Videos zu sehen. Darunter Namen wie Radiohead, The White Stripes, Queens Of The Stone Age, Gnarls Barkley, Damien Rice und Beck. Und eine DVD von der Reihe gibt es auch schon.
Besonders gebannt bin ich (natürlich) von Radiohead. Wer von den 5 Songs auf der Basement-Seite nicht genug bekommen kann, dem sei gesagt, dass man bei Youtube mittlerweile auch das ganze Konzert in HD-Quali findet.
Geschrieben am Montag, 30. November 2009 und einsortiert unter Internet, Musik, Videos
10.000 Titel bei last.fm in ziemlich genau 8 Monaten, das macht gut 40 Songs pro Tag. Ich habe in dem Zeitraum 301 verschiedene Künstler gehört. Spitzenreiter war lange Zeit Radiohead, doch dann kamen Margot & the Nuclear So and So’s, Friska Viljor und Portgal. The Man. 42 Songs habe ich zu Lieblingsliedern erklärt, von denen ich sechs Stück erst weniger als 5-mal gehört habe. Strange. Aber das liegt auch daran, dass ich meine Musik erst seit August mit dem MediaMonkey abspiele, der über ein sehr angenehmes Favoriten-System verfügt. Bis ich da meine Musiksammlung durchbewertet habe, das dauert.
Ihr seht schon, ich steh auf Zahlen. Bei 20.000 gibts den nächsten Eintrag zum Thema.
Helgi Hrafn Jónsson. Der Vorname Helgi allein lässt auf etwas Niedliches schließen, und tatsächlich kam der gerade 30 gewordene Jónsson für meinen Geschmack ein bisschen zu brav daher, wie ein 20-Jähriger auf seiner ersten Tournee nach dem Abi. Nach den ersten Songs fing der Isländer etwas schüchtern an, seine Ansagen auf Deutsch Österreichisch zu machen, hat er doch einige Jahre dort gelebt. Für meine Ohren hat der österreichische Akzent ja etwas Belustigendes, er klingt geradezu niedlich. Und so standen die ehrlichen, persönlichen Ansagen vom Nervenzusammenbruch während der Tour, von gelöschten Traumsymphonien und dem Eingeständnis, nicht multitaskingfähig zu sein im krassen Gegensatz zu dem Akzent und dem jungenhaftem Aussehen.
Die Band (Zitat Jónsson: “Es ist so geil, eine Band zu haben.”) bestand nur aus einem steifen Bassisten, der das gesamte Konzert keine Mimik zeigte und sich nicht sichtbar bewegte, und einem ab und zu Klavier spielenden Drummer. Helgi Jónsson selber sang, spielte Gitarre und Klavier, obwohl er klassisch ausgebildeter Posaunist ist.
In den Pausen wurde also gegrinst, während der Songs aber gestaunt. Mit seiner glasklaren, androgynen Stimme (“Wenn ich eins nicht habe, dann eine tiefe Stimme.”), dem sanft aufgebauten Arrangement der Songs und dem Zusammenspiel der Instrumente erzeugt Jónsson eine atemberaubende Stimmung, schwermütig, langsam und vielschichtig. Kopfkino, aber richtig. Augen schließen und sich fort auf Islands grüne Wiesen, schwarze Berge und raue See träumen. Dabei singt Jónsson nur wenige Songs auf Isländisch. Zumeist bedient er sich der englischen Sprache, was den Träumen aber keinen Abbruch tut.
Nur selten ließ sich das Publikum zum Mitwippen bewegen, so zum Beispiel bei der ersten Singleauskopplung “Digging up a tree” (Download) seines neuen Albums “For the Rest of my Childhood”. Die neue Singleauskopplung “Lay it down” (Download) dagegen wurde angekündigt als “am ehesten zu Weihnachten passender Song”. Wieder sehr ruhig, melancholisch und mit sanfter Hand geführt. Hat aber trotzdem nix mit Weihnachten zu tun.
Das gesamte Album ist voller großartiger Songs, durchzogen von einer tollen Harmonie. Es wird mit jedem Hören besser, immer wieder entdecke ich Kleinigkeiten, die ich vorher nicht gehört habe. Ich kann es nur empfehlen!
Zu sehen ist Jónsson erst mal nur noch morgen in Berlin. Lesen kann man von ihm auch ein bisschen in seinem Blog und bei Twitter. Aber ich hoffe, dass ich in Zukunft noch viel mehr von ihm hören werde.
Am Samstagmorgen (21.) hab ich eine tolle Band entdeckt: Shantel & the Bucovina Club Orkestar. Traditionelle Musik vom Balkan gemischt mit elektronischen Sounds, super tanzbar, geht einfach ab, man kann nicht ruhig sitzen bleiben. Und was sagt deren Myspace-Seite? Ein Konzert in Köln, yeah. Am 20.11. Mist. Um einen Tag verpasst.
Und seit Sonntagabend hab ich noch was Neues (neben Tausend anderen Sachen – Danke noch mal an dieser Stelle!): Alberta Cross, eine Rockband aus New York, die etwa in Richtung Kings of Leon gehen, dabei aber die Gabe besitzen, einem innerhalb eines Songs das Herz rauszureißen und wieder einzusetzen. Sie haben gerade ihr Debut-Album rausgebracht, “Broken Side of Time”. Genial. Und wie immer heute ein kurzer Blick auf deren Myspace-Seite. Und was seh ich?! Ein Konzert in Köln. Gestern. Mist. Verpasst.
Ich könnte mir in den Arsch treten. Warum verpasse ich in letzter Zeit immer wieder solche Gelegenheiten? Werde ich morgen wieder eine Band entdecken, die heute hier spielt? Ich wills gar nicht wissen…
Geschrieben am Dienstag, 24. November 2009 und einsortiert unter Köln, Leben, Musik, Myspace