Les-Bar VI

Lang ists her. Hier mal wieder ein paar neue Netzlesetipps:

Facebook löscht nicht zuverlässig
Ein Wiener Student will sehen, welche Daten er in drei Jahren bei Facebook hinterlassen hat. Das Ergebnis: 1.200 DIN-A4-Seiten und einige unangenehme Überraschungen.

Siegfried Kauder und der Große Bär
Sascha Lobo über das Urheberrecht und den Vorsitzenden des Rechtsausschusses Kauder

Das wahre Leben im Netz
Stefan Niggemeier mit einer Analyse der Cybergesellschaft.

Dann noch ein Erklärvideo: Der Staatstrojaner in dreieinhalb Minuten (via netzpolitik.org)

Und zum Schluss noch ein Linktipp für Nachrichten aus Köln: http://www.elfnachelf.de/
Und für Nachrichten aus der Südstadt im Speziellen: http://www.meinesüdstadt.de/

Sightwalk stellt Dienst ein

Schade, schade, aber der Streetview-Konkurrent _sightwalk will seinen Dienst einstellen. Hier hatte ich vor knapp nem Jahr schon mal das Projekt vorgestellt.

Aufgrund der öffentlichen Debatte um den Datenschutz und die damit einhergehende Verunsicherung bei potentiellen Geldgebern können die Kölner Startupper um Henrik Wild das Projekt leider nicht mehr finanzieren. Wie es aussieht, war es das dann wohl. Wie gesagt, sehr schade. Ich hab immer gerne reingeschaut, weil es angenehmer zu bedienen ist als Streetview und auch aktueller.

Jetzt schnell noch mal alle in den Globetrotter schauen und staunen.

[via]

Les-Bar I

Warum nicht zu Beginn des neuen Jahres mal eine neue Rubrik? Immer wieder stoße ich im Netz auf Texte, von denen ich denke, die müssten noch viel mehr Leute lesen. Daher werde ich versuchen, hier wöchtentlich monatlich einigermaßen regelmäßig einige Texte zu verlinken.

Diese Les-Bar-Tipps machen den Anfang:

Der Kindergarten als rechtsfreier Raum
Stefan Niggemeier über die böse Gema und das Kopieren von Notenblättern.

Frau Piel, wir müssen reden
Noch mal Stefan Niggemeier, diesmal über die Idee der WDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Piel, öffentlich-rechtliche Apps kostenpflichtig zu machen.

Wer hat Angst vor Wikileaks?
Mario Sixtus über den politischen Umgang mit der Enthüllungsplattform.

Rettet die Soziale Stadt

Die Soziale Stadt ist ein Programm der deutschen Städtebauförderung für Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf. Einige würden sie “soziale Brennpunkte” nennen. Hier werden Integrations- und Bildungsprojekte angeboten, zum Beispiel Sprachförderungen, Anti-Gewalt-Workshops, Jugendfreizeitangebote, es werden die Wohn- und Lebensbedingungen verbessert. Alles von und mit den Stadtteilbewohnern. Das Geld dafür kommt vom Staat, für 2009 waren es 95 Mio. Euro.

Nun hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags beschlossen, die Städtebauförderung um 25% zu kürzen. Die Gelder für die Soziale Stadt sollen dabei um 72% gekürzt werden.
Statt aller Beteuerungen seitens der Regierung gilt also wieder: Beton statt Bildung. Oder um es mit den Worten von FDP-Mann Patrick Döring zu sagen: “Die Zeit für Bibliotheken für Mädchen mit Migrationshintergrund ist vorbei.”

Mehr dazu in einem Beitrag des ARD-Politmagazins Monitor und bei Spreeblick.

Vielleicht können wir noch verhindern, dass der Bundestag den Beschlüssen zustimmt:

Petition: Bauwesen – Keine Kürzung der Mittel für Städtebauförderung vom 07.10.2010

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung nicht, wie geplant, die Mittel der Städtebauförderung und insbesondere der “Sozialen Stadt” kürzt, sondern die Städtebauförderung auf dem bisherigen Niveau beibehält.

Bitte alle mitzeichnen!

Ich habe keine Angst!

Ich habe keine Angst. Ich lasse mich von Bombenfunden, angeblichen Anschlagsplänen und der ganzen Terror-Hysterie der Regierung und der gleichgeschalteten Medien nicht anstecken. Nein, ich mache das nicht mit!

Wie viele Anschläge durch “islamistischen” Terror gab es denn in Europa, seitdem 2001 der Krieg gegen den Terror von den USA ausgerufen wurde? Zwei. Im März 2004 in Madrid mit 191 Toten und im Juli 2005 in London mit 56 Toten. Macht 247 Tote in 9 Jahren. Keiner davon in Deutschland. Dafür gab es aber seit 2001 – allein in Deutschland – ungefähr 50.000 Verkehrstote. Selbst 1 Mio. Euro und mehr im Lotto zu gewinnen ist wesentlich wahrscheinlicher, als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen.

Das einzige, was passiert, ist, dass diese Hysterie zu einen Überwachungsstaat sondergleichen führt. Überwachungskameras, Nacktscanner, biometrische Ausweise, dazu Telefon- und Internet-Verbindungen und so viele andere Daten, die gesammelt und gespeichert werden. Und weil wir ja so Angst vor dem Terror haben, lassen wir das auch alles schön mit uns machen. Die Regierung warnt und die Medien verbreiten, ohne wirklich kritisch zu hinterfragen oder aufzuklären. Wir sind wie Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank. Everything is okay. Go shopping, stay scared.

Siehe dazu auch: Quarks & Co zum Thema Terror – von 2008! (Videos leider nur noch bei Youtube)

Löschen statt Sperren

Es gibt Neues zum Thema Internetsperren. Als ich diesen Artikel bei Spreeblick las, dachte ich, warum nicht und habe einen offenen Brief verfasst an die Vorsitzende des CULT-Ausschusses im EU-Parlament und zwei Ausschussmitglieder aus NRW.

Sehr geehrte Frau Dr. Pack, sehr geehrte Frau Kammerevert, sehr geehrte Frau Verheyen,

als Vorsitzende und Mitglieder des Ausschusses Kultur und Bildung werden Sie in den kommenden 4 Monaten dem Europäischen Parlament eine Stellungnahme vorlegen zu dem Vorschlag von EU-Kommissarin Cecilia Malmström, EU-weit Internetfilter gegen Kinderpornografie einzuführen.

Ich schreibe Ihnen als besorgter EU-Bürger mit der Bitte, dieses Instrument abzulehnen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Sexueller Missbrauch an Kindern ist das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Aber es muss darum gehen, diese Seiten zu löschen und die Täter zu verfolgen, statt Inhalte nur zu verstecken und die Täter vor Strafverfolgung zu schützen!

Unter Schwarz-Rot gab es in Deutschland von der damaligen Bundesfamilienministerin von der Leyen den Versuch, per “Zugangserschwerungsgesetz” Deckmäntel in Form von Stoppschildern über Internetseiten mit kinderpornografischen Inhalt zu werfen. Das Gesetz wurde sogar von Bundespräsident Horst Köhler unterschrieben, aber die schwarz-gelbe Regierung wendet es nicht an, möchte stattdessen nachbessern.

Aber Internet-Sperren sind Unfug!

Alle nachfolgenden Argumente sind beim Arbeitskreis “Zensur” aufgelistet und erhalten weiterführende Links mit Belegen.
http://ak-zensur.de/2010/03/sperren-ueber-eu.html#more

Das Löschen von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt funktioniert, geht schnell und ist weltweit möglich.
Eine Bank schafft es, binnen vier bis acht Stunden eine einfache Phishing-Seite löschen zu lassen, irgendwo auf der Welt. Warum soll das nicht auch den Strafverfolgungsbehörden möglich sein? Außerdem steht die Mehrheit der Server mit kinderpornografischen Seiten nicht irgendwo auf der Welt, sondern in Deutschland, den USA, Kanada und den Niederlanden.
Seiten mit Bildern und Videos von Kindesmissbrauch würden auf einer Sperrliste landen und ein Stoppschild umgehängt bekommen. Doch diese Stoppschilder lassen sich sehr einfach umgehen. Und eine Sperrliste könnte nicht nur als Frühwarnsystem für die Täter genutzt werden, sondern wäre gleichfalls auch ein Instrument der Zensur für die Behörden. Denn wer würde die Liste kontrollieren? Darüber hinaus könnten durch Fehler auch Seiten ohne illegalen Inhalt auf solche Sperrlisten auftauchen, wie Erfahrungen in anderen Ländern zeigen. In Australien landete die Webseite eines australischen Zahnarztes auf der Sperrliste, in Dänemark eine aus Deutschland betriebene islamistische Webseite, in Finnland ein finnischer Zensurgegner, in Italien werden Glücksspiel-Webseiten blockiert.
Diese von Cecilia Malmström geforderten Internetfilter könnten eine Internet-Zensurstruktur aufbauen, wie ich sie sonst nur aus autoritären Regimen wie China oder dem Iran kenne.

Statt auf kurzfristige populistische Lösungen zu setzen, wäre es gerade Aufgabe der europäischen Behörden, im Rahmen einer weltweiten Zusammenarbeit dafür zu sorgen, dass derartige Inhalte schnell, dauerhaft und nachhaltig aus dem Internet entfernt und die Täter verurteilt werden.

Ich hoffe, dass Sie sich im Ausschuss Kultur und Bildung gegen dieses Instrument entscheiden werden und Ihre Stellungnahme gegenüber dem EU-Parlament eindeutig sein wird. Auch, damit das von vielen deutschen Regierungspolitikern als falsch eingestufte Zugangserschwerungsgesetz nicht über die “Hintertür” EU wieder eingeführt wird.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Jan Eidens
Köln, den 31.03.2010

Update: Eine erste Stellungnahme von Frau Kammerevert findet ihr in den Kommentaren.

100.000 DM

Rob Savelberg, Berlin-Korrespondent der niederländischen Tageszeitung “De Telegraaf” stellt Bundeskanzlerin Merkel bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der schwarz-gelben Koalitionsvereinbarung die Frage, warum Schäuble ausgerechnet Finanzminister werden soll. Merkel weicht aus, Westerwelle und Seehofer können sich das Lachen kaum verkneifen.

Das hätte sich mal ein deutscher Journalist trauen sollen. Seine Zeitung hätte auf Jahre hinweg keine Interviews mehr bekommen. In der deutschen Politik wird nicht mehr bissig hinterfragt, sondern den Politikern nur noch Honig ums Maul geschmiert.

Hier der Artikel von Rob Salvenberg und eine deutsche Übersetzung.

Big Brother Award 2009

Und wie um meinen letzten Blogeintrag zu bestätigen, ist vorhin Familieministerin von der Leyen mit dem Big Brother Award 2009 in der Kategorie “Politik” ausgezeichnet worden. Sie habe, so hieß es in der Begründung für den Negativpreis, “ein System zur Inhaltskontrolle im Internet vorangetrieben, das zu einer Technik von orwellschen Ausmaßen heranwachsen kann”.

Mehr dazu hier und hier.